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Im Winter gab es damals noch recht häufig Schnee, und wir hatten
in unserer Nähe steile und durchaus gefährliche Rodelbahnen.
Aber welches Kind erkennt das schon. Als ich neun Jahre alt war, starb
meine ein Jahr und drei Tage ältere Schwester innerhalb weniger
Tage. Irgendeine Blutkrankheit. Ein Jahr später ließ mein
Vater im Krieg im Frankreichfeldzug sein Leben. Was für ein Unsinn,
so ein Krieg, denn inzwischen ist man mit den Menschen dort befreundet.
So war ich ab 1940 mit meiner Mutter allein. In der Schule um 1943 war
Fußballspiel vorboten, und bei den Schulbehörden wohl auch
verpönt, das gehörte zum Primitivsport. Sport nahm dennoch
eine wichtige Rolle im Lehrplan ein. Handball galt als ehrbare Ballsportart.
So hatte unsere Klasse in der Teutoburger Schule eine Feldhandball-Mannschaft
zusammengestellt, in der ich im Mittelfeld eingeteilt war. Wir gewannen
das Endspiel gegen den Vorjahrsstadtmeister.
In Osnabrück gab es jährlich ein Sportfest im Dreikampf, bestehend aus 60-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagball-Weitwurf, an dem alle Schulen der Stadt teilnehmen. Weil ich im Kurzstreckensprint Bestzeit und eine hohe Punktzahl erzielte, errang ich die Bronce-Medaille unter etlichen tausend Schülern. Auch später wurde ich bei Wettbewerben im Sprint nie besiegt. Nach und nach nahm der Bombenkrieg zu, und wer einmal Dokumentarfilme von hunderten von Bomben abwerfenden Flugzeugen gesehen hat, wird verstehen, dass ich mich heute noch wundere, wie wir überleben konnten in diesen Bombenteppichen von mehreren tausend Sprengbomben und hunderttausenden von Brandbomben.Auf dem Brink, einem Berg gegenüber unserer Wohnung, stand die Flak. Vier deutsche 8,8-Kanonen und sechs tschechische 8,35 standen da, und einige Vierlinge gegen Tiefflieger. Und der Bahnhof, ein Kreuzungspunkt, lag auch nicht so weit entfernt. Osnabrück hat einen Zwei-Etagen-Bahnhof. Unsere Gegend war also ein beliebtes Bombenziel, denn hier kreuzten sich die Transportwege im Norden. 1943 wurde unser Haus dann zerstört. Eine Bombe ging durch bis in den Luftschutzkeller.
Zum Glück war kurz zuvor ein Bunker in der Nähe fertig geworden, den wir aufsuchten, wenn ein Angriff zu befürchten war. Allerdings erkannte man das viel zu spät. Denn auf Voralarm reagierten wir gar nicht mehr, und oft wurde auch kein Hauptalarm ausgelöst, weil man annahm, daß die Bomber nur drüber flogen. So kam es also häufig vor, daß die Bomben schon um uns herum fielen, während wir noch die Weidnerstraße hinaufliefen zum Bunker. Und immer waren wir ja auch in Gefahr, von Flaksplittern getroffen zu werden.
Wir verließen Osnabrück, um uns in ruhigere Gefilde zu begeben, denn der Bruder meiner Mutter hatte in Dankmarshausen an der thüringischen Grenze ein Lebensmittelgeschäft. Dieses kleine Dorf war für den Krieg völlig unbedeutend, und dennoch erreichte uns auch dort ein ungewöhnlich großer Bombenteppich bei starkem Sturm. Die Meinung war, die Bomber hätten sich nur verflogen und ein falsches Ziel ausgemacht, das Ziel wäre wohl Kassel gewesen. Die Aue unterm Dorf war umgewühlt, ein Trichter am anderen, aber im Dorf war nur ein Haus getroffen worden. So lag Leben und Tod sehr nahe beieinander und von vielen Zufällen abhängig, woran man wiederum sieht, wie zufällig der Lebensweg doch ist. Ein Jahr später mußten wir ständig den Himmel beobachten, wenn wir im Werratal in der Aue Heu machten oder in der Werra badeten, denn die amerikanischen Lightnings, sehr wendige Doppelrumpf-Kampfbomber, machten auf uns "Hasenjagd", versuchten uns also im Tiefflug abzuschießen. Und heute kann ich nachfühlen, wie Rehe, Wildschweine und Hasen sich fühlen müssen, wenn man auf sie Jagd macht. Vielleicht sollten die Tiere des Waldes in die Lage versetzt werden sich zu wehren, den Spieß mal umzudrehen und auf die Jäger Jagd machen. Denn alle Lebewesen haben das gleiche Recht auf dieser Erde zu leben.
Wer ständig in Lebensgefahr schwebt, kann ermessen, wie wertvoll das Leben doch ist, deswegen sollte man nichts und niemanden töten. Denn es ist die Erde, die aus dem, was sie bietet, all das erstaunliche Leben erschaffen hat, und jedes Leben ist von tausenden von Zufällen abhängig gewesen. Ein Sechser im Lotto ist viel wahrscheinlicher, als auf diese Welt zu gelangen. Deswegen sollte man der verzweifelten Fliege helfen, die nicht versteht, dass zwischen ihr und ihrer Welt da draußen eine Scheibe ist, die sie nicht sehen kann. Es ist ja so einfach Leben zu retten, und es kann glücklich machen. Und Glück verlängert das Leben.
Alles in jener Zeit drehte sich um den Krieg, und das Alltagsleben hatte sich danach einzurichten. Allerdings erhielt ich weiterhin Klavierunterricht. Wenn man dann 14 Jahre alt wird, kommt die Entscheidung näher, über das Berufsleben nachzudenken. Mein Lehrer riet meiner Mutter, ich solle den Beruf des Lehrers ergreifen, und so machte ich eine zehntägige Aufnahmeprüfung in Ohrdruff-Luisenthal, die ich bestand.
Heute behaupte die neunmalklugen Nachkommen, man hätte merken müssen,
daß in dem Ort ein KZ gewesen sei und daß Hitler seine Werte
dort in einem Bunker untergebracht haben soll. Die Prüfung wurde
zum Teil auch im Freien abgehalten, uns als die Zeugen jener Zeit ist
nichts aufgefallen, und der Ort ist nur wirklich nicht gerade groß.
Es gibt so viele Leute, die nachplappern, was Schreiberlinge aufgeschrieben
haben, die damals noch gar nicht auf der Welt waren.
Für den 15. April 1945 war der Ausbildungsbeginn angesetzt. Doch
am 1. April 1945, an meinem 15-jährigen Geburtstag, zogen die amerikanischen
Panzer in Dankmarshausen ein, und alles war vorbei. Einen Monat später,
über Nacht, war das Lager in der Aue an der Werra leer, sie waren
wie vom Erdboden verschluckt. Und während wir zwischen den Überbleibseln
rumstöberten, drang der Gesang hoher Kastratenstimmen an unser
Ohr, vor der Straße zwischen Dankmarshausen und dem östlichen
Nachbarort Berka kommend. Wir gingen der Ursache nach, liefen also rauf
ins Dorf und sahen sie: Russen. Sie fuhren durch das Dorf hindurch bis
an die Grenze zwischen Dankmarshausen und Widderhausen, also an die
Grenze zwischen Thüringen und Hessen. Und sie zogen einen Zaun,
sogar über die Ecke des Sportplatzes, sperrten uns also ein. In
diesem Moment kam in mir das Gefühl auf, im Gefängnis zu sein.
Jetzt galt es also, sich einzurichten. Die "Befreier" wechselten, und
wir mußten uns wehrlos fügen. Von einer Diktatur in die nächste.
Wozu also soll der Krieg wohl gut gewesen sein. Und es gibt sie immer
wieder, die Kriege unter scheinheiligen Vorwand, vorläufig geht
es noch um Öl. Irgendwann wird es um Wasser gehen. Überall
auf der Welt müssen sich wehrlose Menschen dem Stärkeren fügen.
Es zeigte sich aber schon bald, daß die Sieger gar nicht wußten,
was sie da taten.
Nachdem die ersten Tage der Besetzung durch die Russen vergangen waren
und sich weniger geändert hatte als man zunächst erwarten
mußte, wurde das Tagesgeschehen doch weitgehend wieder von den
Deutschen übernommen. Die Russen bewachten lediglich die Grenze.
Der Kontrollpunkt lag am Ende der Dorfstraße nach Widdershausen,
und genau dort war auch der Sportplatz. Und so konnte es gar nicht ausbleiben,
daß die russischen Grenzsoldaten, durchweg um 18 Jahre alt, zu
uns runter kamen und mit uns Fußball spielten. Die Erkenntnis
erstaunte mich: Das waren gar keine Feinde. Sie waren Menschen wie wir
und freuten sich, mit uns Fußball spielen zu können. Man
freundete sich tatsächlich an und freute sich, wenn man sich am
nächsten Tag wiedersah. Nur wenn man über die Grenze redete,
wurden sie plötzlich stocksteif und ernst. Das verstanden wir zunächst
überhaupt nicht, denn mit der Grenze hatten wir überhaupt
nichts im Sinn. Uns war die völlig egal, denn für uns gab
es sie zu der Zeit überhaupt nicht, sie war kein Hindernis, denn
wir kannten uns da ja aus. Später erfuhren wir aber, daß
die jungen Russen häufig von Vorgesetzten Prügel bezogen,
und also verstanden wir sie, und sie taten uns leid. Natürlich
wurde an der Grenze geschossen, denn täglich versuchten Flüchtlinge
rüberzugehen. Für Fremde also war das gefährlich. Aber
die Bauern aus Dankmarshausen hatten im Bereich der amerikanischen Zone
Ländereien, die sie bewirtschafteten, und so waren die Feldwege
ohne Zaun, als auch ohne Schlagbäume. Das sprach sich auch drinnen
in der Zone rum, und so wurden die Flüchtlinge oft zu Bauern verkleidet
und fuhren auf den Leiterwagen mit rüber.
Aber es gab auch andere Möglichkeiten für Ortfremde, über
die Grenze zu gelangen. Unten am Sportplatzrand verlief ein kleiner
Wassergraben, der in die Werra führte, und direkt an ihm entlang
war der Stacheldrahtzaun verlegt. Wenn am Sonntag die Herrenfußballer
spielten, kamen auch Zuschauer aus der amerikanischen Zone, aus Widdershausen
bis an den Graben. Und weil der Ball hin und wieder über den Zaun
flog, mußte jemand aus der russischen Zone in die amerikanische
Zone hinüber, um ihn wieder zu holen. Manchmal waren das auch Flüchtlinge,
die "rüber" wollten, und die kamen dann nicht zurück. Alles
am Spielfeldrand war wegen der Zuschauer ein bißchen unübersichtlich.
Die Entscheidung des Berufsweges war aber nicht aufgehoben. Und weil
die Ausbildung zum Lehrer für mich geplatzt war, denn die Organisation
gab es ja nicht mehr, wurde ich Rundfunkmechaniker-Lehrling bei Hallmann.
Dieser Betrieb hatte sich in Dankmarshausen niedergelassen. Ich baute
also Radios, später auch Lautsprecher. Die Schwingspulen wickelte
ich von Hand, und das war durchaus mit Problemen behaftet, denn wenn
die Wicklung nicht vollkommen präzise lag, kratzte der Lautsprecher
und wanderte in den Müll. Nachbessern konnte man den nicht, weil
die Schwingspule ja eingeklebt war.
Sportlich hatte ich mich für Handball entscheiden müssen,
denn ich hatte keine Fußballschuhe. Damals spielte man Feldhandball
auf dem Fußballplatz. Hallenhandball gab es nur im Winter, aber
das waren keine Meisterschaftsspiele, sowas gab es noch nicht. Ich spielte
in der Jugendmannschaft halblinks, und wenn unser Torwart aus dem amerikanisch
besetzten Widdershausen fehlte, war ich im Tor. Als ich 17 Jahre alt
war, holte man für mich eine Sondergenehmigung ein, wonach ich
in der A-Jugend im Tor und nach einer Pause von einer Stunde in der
1. Herrenmannschaft im Angriff spielen durfte. In der Pause spielte
unsere Damenmannschaft, und die war der amtierende Kreismeister. Waldemar
Mau war unser Trainer und Spielmacher, und seine Frau und deren Schwester
waren die Torjägerinnen der Damenmannschaft.
Nebenher bekam ich weiterhin Klavierunterricht. Mein Lehrer, Herr Reimann,
war gleichzeitig auch Pianist der örtlichen Tanzkapelle, und es
war die große Zeit des Komponisten Gerhard Winkler, des Sängers
Rudi Schuricke und der Capri-Fischer. Und mit denen fing alles an.
Die Capri-Fischer waren ein Kreuzweg
in meinem Leben
Überall aus den Radios erklang dieses Lied, und natürlich
mußte es die Tanzkapelle am Wochenende spielen. Aber man bekam
davon keine Noten.
Wir waren ja abgeschnitten von der Welt, denn der Grenzbereich durfte
von Fremden, also von Personen, die dort nicht wohnten, nicht betreten
werden ohne eine Sondergenehmigung. Drei Bahnstationen von uns entfernt
im Landesinneren nämlich lag der Bahnhof Herleshausen, und das
war ein Problem für die Bewacher der Grenze. Der Zug fuhr dort
nämlich durch die amerikanisch besetzte Zone, und die russischen
Begleitsoldaten wachten schwer bewaffnet darauf, daß auch keiner
ausstieg. Auf dem Bahnhof davor, Wartha in der russischen Zone, hielt
der Zug oft zwei oder drei Stunden, und Reisende mit Gepäck und
ohne Ausweis eines Grenzortes wurden rausgeholt, und wir sahen sie eigentlich
nie wieder. Die nächste Station, Gerstungen, war dann wieder auf
russischem Gebiet. Eigentlich waren wir also nach beiden Seiten hin
eingekerkert, und deswegen kam vieles, was im Landesinneren zu bekommen
war, eben nicht bis zu uns.
Mit einiger Mühe hätte ich sicher Noten in Eisenach bekommen
können, denn einmal in der Woche mußten wir Rundfunkmechaniker-Lehrlinge
zur Berufsschule nach dort. Aber wir hielten uns bis zur Abfahrt des
Zuges eben doch lieber auf der Wartburg auf. Natürlich besaß
jeder von uns ein Stück Mauerwerk mit dem Tintenklecks von Martin
Luther, denn Luther muß wohl immer wieder bei Nacht erschienen
sein und wutentbrannt sein Tintenfaß gegen die Wand gedonnert
haben. Der Zug nämlich fuhr immer erst gegen Abend, und so hatten
wir einige Stunden Zeit. Manchmal mußten wir für unseren
Radiobetrieb auch Teile aus Eisenach mitbringen.
Es führte kein Weg an den Caprifischern vorbei,
und so bat mich mein Klavierlehrer, die Noten für die Kapelle zu
schreiben. Und so kam ich zu meinem ersten Kapellen-Arrangement. Von
diesem Moment an schrieb ich eigene Lieder, natürlich in der Art,
wie sie Gerhard Winkler schrieb. Ich erinnere mich noch an den ersten
Titel <Am Golfo della Spezia>. Ich hatte einfach auf den Atlas
geschaut und mir diesen Golf ausgesucht. Einige meiner Lieder spielte
die Kapelle dann auch an den Tanz-Wochenenden, ein merkwürdiges
Gefühl, wenn da plötzlich etwas erklang, was kurz zuvor von
mir zu Papier gebracht und selbst erdacht worden war.
Eigentlich hätte alles auch so weitergehen können, wenn nicht
das Geldproblem gewesen wäre.
Mein Vater war als Soldat schon 1940 im Lazarett gestorben, und eigentlich
hätte meine Mutter eine Rente aus der Angestelltenversicherung
und außerdem eine Kriegshinterbliebenenrente bekommen müssen.
Aber:
'Der Dank des Vaterlandes ist dir gewiß',
hieß es, wenn man in den Krieg zog. Das war aber schon
damals graue Theorie, und heute scheint es kaum anders zu sein. Man
mußte schon immer alles beweisen. Und selbst der Umstand, daß
der Tod meines Vaters nunmal eine Tatsache war, genügte nicht,
um Rente zu bekommen.
In der Ostzone bekamen wir also nichts. In der Westzone hingegen hätte
meine Mutter die Renten bekommen.
Meine Mutter, gelernte Schneiderin, nähte dort für die örtliche
Bevölkerung, und ich malte mit spezieller Stoff-Farbe, die ich
in Osnabrück von Kramer geschickt bekam, große Blumen in
die Kleider. Das war zu der Zeit ganz große Mode, und meine Malerei
hat damals sicherlich viele junge Mädchen sehr glücklich gemacht.
Auf diese Weise bekamen wir manchmal bei den Bauern freies Essen und
ein paar Mark dazu.
Um aber in unsere Heimatstadt zurückkommen zu dürfen, bedurfte
es einer Zuzugsgenehmigung. Die bekamen wir dann auch nach einiger Bemühung,
denn wir hatten Anspruch darauf, wieder in Osnabrück zu wohnen.
Das bedeutete aber durchaus nicht, daß wir die Ostzone verlassen
durften. Die Ausreise-Erlaubnis bekamen wir dann aber doch, allerdings
ohne unser Eigentum mitnehmen zu dürfen, denn das ging nach ostzonalem
Gesetz in Volkseigentum über. Es war aber schon schwer genug gewesen,
einige Möbel vor den Bombenangriffen in Sicherheit zu bringen.
Die hatten wir damals rübergeschafft und wollten sie nun nicht
doch noch verlieren, zumal wir die hätten in Osnabrück neu
kaufen müssen. Also entstand der Plan, alles über die Grenze
zu schaffen.
Mit dem Klavier war das ziemlich einfach, denn die Russen kannten sich
in der Gegend nicht ausreichend aus. Die Straße zwischen unserem
Ort Dankmarshausen
und dem Nachbarort Großensee verlief an einer Stelle nämlich
einige Meter durch die amerikanische Zone. Deswegen war der Grenzschlagbaum
bereits am Ortsausgang Dankmarshausen eingerichtet. Diesen Grenzpunkt
konnten nur Personen mit Ausweis aus Dankmarshausen oder Großensee
passieren. Fremde kamen da nicht durch.
Als Radiobauer war ich natürlich soetwas wie ein Zauberer, denn
ich gehörte zu denen, die für sie die Radios bauten. Die Russen
gaben alles dafür, ein Radio zu bekommen. Eigentlich in jedem Raum
der Baracken war eines im Laufe der Zeit. Es gab ja auch russischsprachige
Sendungen.
Bedenkt man, daß die Russen tatsächlich Wasserkräne
rausschraubten und nach Russland schickten, weil sie glaubten, daß
dann auch dort Wasser aus der Wand käme, (das ist kein Märchen,
die glaubten das wirklich) so hatten sie vor uns eben großen Respekt,
denn wir holten Musik aus der Luft, einfach über eine Stange und
ein Stück Draht. Sie horchten sogar dran, weil sie glaubten was
hören zu müssen. Wirklich, für die Russen wirkte das
wie Zauberei aus einer anderen Welt.
Es war eine andere Zeit, und wer heute darüber lächelt, sollte
sich mal die Entwicklung der Technik des letzten Jahrhunderts ansehen.
Viele Millionen Jahre hatte sich nichts an Technik entwickelt, und innerhalb
kurzer Zeit explodierte dieser Fortschritt.
Unseren russischen Freunden am Schlagbaum erzählte ich einfach,
daß mein Klavier zur Kirmes gebraucht würde. Das stimmte
auch , wir hatten das so organisiert, nur wurde es in nicht in ostzonalen
Großensee, sondern im Nachbarort Kleinensee in der amerikanischen
Zone gebraucht. Also ließ man uns durch. Weil man aber von Großensee
sofort über die Grenze konnte, weil es da keinen Schlagbaum mehr
gab, fuhren wir das Klavier sofort weiter nach Kleinensee in das Lokal.
Die Möbel hingegen konnten wir nicht durch den Schlagbaum bringen,
denn dafür fehlte uns das Argument. Und so schafften wir alles
nach und nach zu einem Bauern in eine Scheune. Ein Leiterwagen wurde
mit Stroh ausgestopft und darunter die Möbel versteckt. Über
Nacht fuhren unsere Helfer mit Pferd und Wagen mehrere mal über
die Grenze, und die Russen an der Grenze waren rein zufällig nicht
da. Denn wir hatten auch Möbel von Bekannten aus dem Harz dabei
und somit Westgeld, für das man alles haben konnte, so auch Getränke,
die unsere russischen Freunde sonst nie zu probieren bekamen.
Als ich Dankmarshausen als meinen Wohnort endgültig verließ,
gingen mein Freund und ich mit dem Handwagen mitten durch Wald und Feld
hinüber, schließlich kannten wir uns da ja aus, um die Koffer
zum Bahnhof Hönebach zu bringen, die wir während der Reise
mit uns führen würden. Irgendwann, wir waren längst im
amerikanisch besetzten Gebiet, hörten wir hinter uns Motorengeräusch,
und das auf einem Feldweg. Es war ein amerikanischer Jeep. Wir wurden
zur amerikanischen Kommandantur am Bahnhof in Hönebach gebracht.
Dort wurden wir befragt. Man wollte wissen, wieviele Russen gegenwärtig
an der Grenze waren, und wieviele deutsche Grenzer. Alles war politisch
und auf Konfrontation aus. Es war Krieg mitten im Frieden.
Inzwischen war auch meine Mutter angekommen, hatte den Handwagen mit
dem Gepäck vor dem Gebäude am Bahnhof gesehen, in dem die
Amerikaner sich eigerichtet hatten, und war reingekommen. Es war schon
eine komische Situation. Mein Freund und ich, wir waren Gefangene, meine
Mutter allerdings war frei und konnte gehen, wohin sie wollte, obschon
die Amerikaner wußten, daß auch sie eben erst über
die Grenze gekommen war. Weil wir aber eine Zuzugsgenehmigung nach Osnabrück
hatten, und sich längst bei den verwunderten Amerikanern rumgesprochen
hatte, daß wir mehrere Pferdewagen mit Möbel beladen mitten
durch die Grenze gebracht hatten, durften wir die Möbel in die
angemieteten Bahnwaggons verladen. Mein Freund und ich waren für
die Zeit frei, und noch komischer wurde es dann, als die Amerikaner
ihre Waffern beiseite legten und uns beim Einladen der Möbel halfen.
Danach nahmen sie uns wieder mit und fuhren uns nach Rothenburg ins
Gefangenenlager, in dem noch mehr Grenzübertrittler waren. Nachdem
man uns dann verhört hatte, fuhr man uns zurück nach Hönebach,
und dann traten meine Mutter und ich die Fahrt nach Osnabrück an,
während mein Freund Paul wieder zurück ging in die Zone.
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CCA-Records
Das Wunder von Osnabrück
Als ich dem Label CCA Leben einhauchte, dachte ich nicht im Traum daran,
daß es mal seine aktive Zeit überdauern würde. Was jetzt, im Jahr 2005,
um meine Schallplattenlabel herum passiert, verschlägt mir fast den
Atem.
Ich tu dir nichts zuleide
Doch das war nicht der Anfang meines Weges in der Musik. Nach der anfänglich
erfolglosen Zeit und Versuchen vieler Art, auch mit zwei Schellackplatten
in Österreich auf dem Label Myra, begann alles mit Karneval. Ich
hatte zum Text von Horst Christ Ich
tu dir nichts zuleide die Musik geschrieben, und mein
Arrangeur Karl Heinz Volkmann hat die Klavierstimme dazu bearbeitet.
Wir nannten uns, wie es damals häufiger gehandhabt wurde, das Triumphirat
Kuntze / Volkmann / Christ. Die Bearbeitung hatte ich zum Nordwestdeutschen
Rundfunk Köln geschickt.
Mit Datum vom 2. 12. 1955 schrieb mir Herr Hoppe von der Abt. Musikalische
Unterhaltung, daß dieses Lied den ersten Preis beim Karnevalsliederwettbewerb
gewonnen hätte, und man bedenke, die Platzhirsche dort waren Jupp Schmitz,
Karl Berbuer, Toni Steingaß, und dass der Sender das Lied mit dem Sänger
Karl Höher und dem Kölner Blasorchester Josef Breuer aufgenommen hat.
In jener Zeit haben die Sender sogar noch auf Sendezeiten hingewiesen,
denn mit Schreiben vom 27.1.56 bekam ich die Nachricht, daß das Lied
am 18. 1. 56 um 22.00 Uhr gesendet würde, und am 9. 2. und am 13.2.
noch einmal.
Von da ab nahm der Sender laufend Lieder von mir auf, oder von Liedern,
die in meinem 1952 gegründeten Osnaton-Musikverlag von Fremdautoren
erschienen waren. So bekam ich Aufnahmebestätigungen mit Orchester Kurt
Illing am 25.5.56 für das Lied Ich bin in meinen
Träumen, Lied von Klaus Elken, und am 28.6.56 die Bestätigung
meiner Lieder Macht der Tränen und
Ich sehn mich nach dir mit dem Ensemble
Heinz Weiss. Von da ab bekam ich dann fortlaufend auch die Mitteilung
über Sendetermine.
Und weil wir nunmal im Karneval erfolgreich waren, haben wir diesen
Weg fortgesetzt. Mit Datum vom 8. 11. 56 teilte mir der NWDR mit, das
unser Lied Hinein ins Vergnügen
mit Kurt Adolf Thelen, den Rheinmelodikern und dem Blasorchester Josef
Breuer aufgenommen sei. Kuntze / Volkmann / Christ waren also wieder
beim Karneval in der Rhein-Metropole dabei.
Am 22. Dez. 56 schrieb der Sender, daß Du bist
für mich ein großes Fragezeichen mit meinem Text und der
Musik von Georg Tenzer vom großen Unterhaltungs-Orchester Adalbert Luczkowski
aufgenommen worden sei.
Am 7.6.1957 haben wir dann einen Sendevertag mit dem NWDR Köln abgeschlossen
für meine ersten beiden Schallplatten auf dem Label Myra. Damals mußten
noch Sendeverträge abgeschlossen werden, wenn Sender Schallplatten abspielen
wollten.
Am 17. Oktober 1957 schrieb uns der NWDR Köln, daß auch für die nächste
Karnevalssession ein Lied aufgenommen worden sei, nämlich Pinke
müßte man haben, wieder mit Kurt Adolf Thelen und dem Blasorchester
Josef Breuer. Autoren wie bisher Kuntze / Volkmann / Christ.
Inzwischen habe ich mich bemüht, führende Komponisten für meine Texte
zu interessieren. Aber das versuchten tausend andere natürlich auch.
Es war ziemlich mühsam, denn der Marktführer unter den damaligen Komponisten,
Peter Igelhoff, hatte natürlich seine Haustextdichter. Nahezu ein Jahr
habe ich ihn immer wieder mit neuen Texten belagert, und am 16.10.57
kam dann zum ersten Mal eine positvive Nachricht.
Der Fischer vom Korallenriff
diesen Text von mir hatte er vertont und glaubte, dass ihm die Musik
ausgezeichnet gelungen sei. Am 15.11.1957 schrieb er dann, daß er dieses
Lied für Udo Jürgens auf Heliodor festgemacht habe und die Noten bei
Sikorski-Verlag erschienen würden. Heliodor war ein Label der Polydor
Hamburg, Sikorski war schon damals einer der führenden Musikverlage
in Deutschland. Aber: Udo Jürgens war zum Aufnahmezeitpunkt erkrankt,
wie die Polydor mitteilte, die Aufnahme wurde mit einem anderen Sänger
gemacht. Am 3. 2.1958 schrieb mir Peter Igelhoff, dass alle Sender mit
dem Band beliefert werden. Am 7.3. 1958 lief die Aufnahme dann schon
auf WDR und NDR. Und dann ging es Schlag auf Schlag.
Trompeten-Benny
Am 28.3.1958 teilte mir Peter Igelhoff mit, daß er meinen Text Trompeten-Benny
vertont und bei Decca plaziert habe und die Noten im Busse-Verlag erscheinen,
und
Das Gold der Prärie
wurde bei Polydor aufgenommen und war später im Fernsehfilm Ein
Haus voll Musik mit Willy Millowitsch der Schlußtitel.
Wer weiß, wohin der Wind uns führt
Am 14.11.1958 kam die Nachricht, daß unser Lied Wer
weiß, wohin der Weg uns führt durch Nils Nobach für Electrola
aufgenommen würde und die Noten im Quint-Verlag erschienen.
Wo ist das Glück
Am 10. 12. 1958 schon wieder eine positive Nachricht, dass Wo
ist das Glück bei Metronome erscheinen würde.
Immer dem Glück hinterher
damit ging es weiter, denn am 11.3. 1959 kam der Brief, dass dieses
Lied bei Polydor erscheint.
Wo du Zu Hause bist
dieses Lied hat Peter Igelhoff am 31.7. 1959 bei Decca plaziert.
So schön ist die Nacht
auf Philips erschienen, bekam ich in meinen Osnaton-Musikverlag.
Wie schön die Heimat ist
hat er am 16. 11. 1959 bei Polydor untergebracht
Keiner ist allein
wurde von Frau Volkmann mit Fred und Rolf produziert, - Frey Weirich
und Rolf Simson - so die Nachricht vom 2.11.1960. Die Noten kamen beim
Seith-Verlag heraus.
Aber der Karneval war noch nicht vergessen. Der WDR Köln teilte die
Aufnahme von Wir spielen heute die reichen
Leute von Kuntze / Volkmann / Jackson mit.
Tag und Nacht hat der WDR mit Kurt
Illing aufgenommen. 1959 war noch einmal der Karneval dran mit Du
bist für mich der Rettungsring, aber zu der Zeit habe ich
bereits begonnen, selbst in Hamburg zu produzieren.
Und damit begann ein vollkommen neuer Weg. Für den Erfolg war
man nämlich plötzlich weitgethend mitverantwortlich.
Werner Pohl, mein Tonmeister im Real-Film-Studio Hamburg
http://www.filmmuseum-hamburg.de/pohl.html
Hatte man bis dahin eigentlich nur das geschrieben,
was einem so einfiel, ohne über die Marktchancen nachzudenken,
mußte man jetzt genau erwägen, was denn wohl der Käufer
will. Man war zum Erfolg verdammt, weil es plötzlich um das eigene
Geld ging. Ein ungeheuerer Lernfaktor setzte ein, und ich hatte Glück,
denn mit HeizNiepel von Ariola, den dann der Betreuer meiner Arilola-Produktionen
wurde, hatte ich bald einen exellenten Kenner der Banche, der mit mit
vielen Ratschlägen zur Seite stand. Und ich erkannte, dass die
qualifizierte Aufnahme keineswegs der Schlüssel zum Erfolg ist,
sondern dass man den Zeitgeschmack treffen mußte, der in erster
Linie von den Rundfunksendern und infolgedessen von den Musikboxenaufstellern
geprägt wurde.

Schallplattenunternehmen werden noch immer weitgehend nach ihrem Vertrieb
beurteilt, obschon es sich dabei um eine Fiktion handelt, denn den herkömmlichen
Vertrieb von einst gibt es nicht mehr. Vertriebe im üblichen Sinn
gab es nur zu Zeiten des Booms der Musikboxen in den Lokalen.
Unter Vertrieb verstand man damals das Verkaufssystem, bestehend aus
Vertreterstamm und Vertriebsverwaltung. Vertrieb heute ist reine Lagerhaltung.
Es sind in den meisten Fällen die Künstler, die nach dem Vertrieb
fragen, und sie zeigen damit, dass sie mit dem Markt nicht vertraut
sind. Denn eigentlich wollen sie wissen, ob die Firma in der Lage ist, völlig unbekannte Ware in größerer Menge auf dem
Markt abzusetzen.
Die Antwort ist: Das kann keine Firma.
Das kann auch nicht die größte, denn der Absatz von Ware
jeder Art richtet sich immer an der Nachfrge aus.
Wo keine Nachfrage ist, wird auch nichts verkauft.
Wie soll jemand nach einem Produkt fragen, das ihm überhaupt nicht
bekannt ist?!
Ein Produkt, das man verkaufen möchte, muß also professionell
beworben werden. Aber damit hat die Verkaufsabteilung nichts zu tun,
das macht die Werbeabteilung. Die Frage des Künstlers müßte
also lauten: Habt ihr eine eigene Promotionabteilung, was kann die tun,
kann sie mir Ratschläge mit auf den Weg geben?
Diese Werbeabteilung gab es bei den Schallplattenfirmen natürlich
schon immer, denn man mußte neue Produkte durchsetzen. Das war
nie leicht und ist völlig anders, als wenn man ein eingeführtes
lange bekanntes Marken-Produkt auf dem gleichen Absatzstandard halten
oder deren Verkaufsfähigkgkeit noch erhöhen will.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er kauft das, was er kennt und womit
er gute Erfahrungen gemacht hat. Etwas Neues lehnt er grundsätzlich
erst mal ab, weil er das Produkt ja gar nicht kennt auch sich damit
auch nicht beschäftigen will. Auf CDs bezogen heißt das:
Er hat CDs in ausreichender Zahl im Schrank, eine weitere braucht er
also gar nicht. Aber er würde sie vielleicht kaufen, wenn er darin
einen Sinn sähe. Allerdings müßte er sie erst einmal
kennen lernen und auch mögen.
Frage ist also für den Vertrieb: Wie mache ich das Produkt so bekannt,
dass es zwischen den vielen tausend anderen heraussticht, und was kann
ich tun, damit man es auch kaufen möchte.
Der Vertrieb im herkömmlichen
Sinne:
Die Schallplattenfirmen beschäftigten zu Zeiten von Elvis und den
Beatles Handels-Vertreter, denen ein fest umrissenes Verkaufs-Gebiet
zugeteilt war. Diese Mitarbeiter waren Schallplatten-Auslieferer, die
in einem Lieferwagen mit großem Laderaum sehr viel Ware mit sich
führten und Groß- und Einzelhändler in regelmäßigen
Abständen aufsuchten, um sie mit aktueller Hitlisten-Ware zu versorgen.
Sie führten die gängigen leichtverkäuflichen Hits ihrer
Firma in großen Mengen mit sich, und außerdem auch in geringer
Menge die weniger gefragten Neuerscheinungen.
Außerdem lieferten Sie auch Produkte kleinerer Unternehmen mit
aus, die dem Vertrieb angeschlossen waren.
So wurden unsere CCA und die Unterlabel von Metronome angeboten, unsere
Acondor von DA Deutsche Austroton und unsere LBC erschien auf Storz.
Singleplatten wurden in Kartons zu 30 Stück verpackt und im Umkartons
zu 10 Kartons gesichert. Die Einzelhändler deckten sich mit Hits,
also mit Karton-Ware ein, die bis zum nächsten Vertreterbesuch
reichen mußte. Der Einzelhandel bezog die Single in der Regel
zum Rabatt von 30 %. Größere Händler bekamen auch noch
einen Mengen-Bonus. Der Großhandel bezog zu 44 % und bekam oft
noch einen Bonus, so dass die großen Ketten durchaus zu 50 % Rabatt
bezogen.
Für die 4,-Mark-Single bekam die Firma also oft nur 2.- Mark, und
davon waren Aufnahmen, Pressung, Papierkosten, GEMA, Promotion und auch
die Produzenten-Lizenz und die Künstler-Lizenz zu bezahlen.
Neue Produktionen waren aber auch schon damals schwer zu verkaufen,
denn wenn der Vertreter mit einigen Hits ein gutes Geschäft gemacht
hatte, stellte er neue Titel nicht mehr vor. Die Zeit konnte er schon
wieder nutzen, um beim nächsten Händler Mengen aktueller Hits
abzusetzen. Denn die Vertreter bekamen Provision entsprechend der gemachten
Umsätze und waren darauf bedacht Mengen zu verkaufen. In solchen
Situationen arbeiteten die Verkaufsfahrer also gegen die Interessen
der Werbeabteilung, die sich bemühte neue Produkte zu bewerben.
Für Newcomer bestand aber die Möglichkeit, mit Plakaten in
den Schaufenstern mancher Händler eine neue Platte anzupreisen.
Händler schätzen diese Umsatzunterstützung durchaus,
weil dadurch Nachfrage erzeugt wurde, um die sie sich selbst nicht bemühen
mußten, nur mußten die Plakate schmal sein, um die Auslagen
nicht zu verdecken. Auf diese Weise konnte sich der gezielte Einsatz
von Künstlern durchaus lohnen, weil die Händler dann ja auch
die betreffenden Schallplatten vorrätig haben mußten.
Der Großhandel belieferte in erster Linie die Musikboxenaufsteller.
Die Großhändler am Ort waren natürlich informiert, wieviele
Musikboxen im Umkreis aufgestellt waren und deckten sich entsprechend
ein. Sie hatten einen festen Stamm von Aufstellerkunden, der bei ihnen
bezog.
Aufsteller und Großhändler hatten ein Gespür dafür,
was in den Boxen laufen würde, beobachteten die Sender sehr genau
und kauften entsprechend ein. Und auch in jener Zeit gab es schon Hitlisten,
allerdings in den Fachzeitungen.
Diesem Gespür hatte ich schon in den ersten Tagen meiner Ariolazeit
einen Hit zu verdanken. So kaufte Großhändler Rehbock in
Hamburg sofort bei Erscheinen meiner ersten Ariola-Single "Der alte
Straßenmusikant" 2.000 Stück und Volbracht in Duisburg 800
ein, obschon noch keine Werbung erfolgt war und Ariola die Platte lediglich
bei den Boxengroßhändlern vorgestellt hatte. Das schlug bei
Ariola ein wie eine Bombe, denn umkartonweise verkauften sich damals
eigentlich nur Freddy, Elvis und noch einige andereTopstars ohne vorausgegangene
Werbekampagne.
Für eine Newcomer-Produktion war diese Bestellung ungewöhnlich,
zumal das Waldner-Duo, bestehend aus Friedel Wende und mir, auf dem
Markt ganz neu und völlig unbekannt war. Und auch meine Musiker,
Hansi James Last am Baß, Billy Mo, Robert Last, sie kannte man
zu der Zeit kaum, sie waren Orchestermusiker und namentlich nur den
Produzenten bekannt, die sie beschäftigten.
Gemessen an heute war es eine glückliche Zeit, weil es noch Schallplatten-Einzelhändler
gab, wo Kunden die Platte in Kabinen anhören konnten. Und wir hatten
Ansprechpartner, die man besuchen konnte, mit denen man reden konnte,
um vielleicht doch noch irgendwas zu bewegen. Die Vertriebe damaliger
Prägung hatten also noch eine Daseinsberechtigung, weil sie auslieferten
und der Händler Platten nicht schriftlich bestellen mußte.
Der Niedergang begann, als die Musik-Cassette
auf den Markt kam und man Aufnahmen kopieren konnte.
Man nahm vom Rundfunk auf, und infolgedessen wurden weniger Singles
verkauft. Das Rauschen des Cassetten-Bandes nahm man hin, oder man bemerkte
es möglicherweise gar nicht. Denn das große Problem der unterschiedlichen
Bandsorten, mit dem wir uns plötzlich rumschlagen mußten,
und das damit verbundene <Meeresrauschen> wurde einfach als gegeben
hingenommen oder überhört. Für uns, die wir uns schon
immer mit dem Bandrauschen der Maschinen befassen mußten, war
das ein zusätzliches Ärgernis.
Aber es änderte sich noch mehr. Denn auf Cassetten konnte man 20
Lieder und mehr aufnehmen, je nachdem wie lang die Casette war.
Man mußte plötzlich also eine sehr umfangsreiche kostenintensive
Produktion machen, die ihre Kosten nur decken konnte, wenn die Künstler
nicht nur bekannt, sondern zudem auch noch sehr beliebt waren.
Der Umsatzrückgang der Singleplatte war gleichzeitig der Beginn
des Vertriebsabbaus bei den Firmen. Die Schallplattenfirmen zogen die
Vertreter zurück und ließen die Versorgung des Einzelhandels
durch den Großhandel vornehmen. Dadurch war die Interessensituation
aber völlig verändert. Wurde durch die Schallplatten-Vertreter
das Programm der Schallplattenfirma gefördert und untergebracht,
so wurde jetzt durch die Großhändler nicht mehr firmenbezogen
gehandelt, sondern ausschließlich nach Hitlisten eingekauft. Der
Einfluß der Schallplattenfirmen war dem Markt also weitgehend
entzogen. Aber noch weitere Faktoren beschleunigten den Niedergang.
Zunächst unbemerkt, aber mit großer Geschwindigkeit verschwanden
immer mehr Musikboxen aus den Lokalen, die Gewohnheit der Gäste
änderte sich. Man ging weniger in die Lokale, weil der Fernseher
den Markt eroberte. Und nach und nach schlossen auch immer mehr Radiogeschäfte
ihre Schallplattenabteilungen.
Ein weiterer Grund waren die großen Marktketten, die viel Zulauf
hatten, weil man dort unterschiedlichste Waren an einem Ort bekommen
konnte. Es kam die Minidisk auf den Markt, auf der man Programm rauschfrei
speichern konnte. Es folgte die Zeit der CD, und die rauschende Cassette
wurde mehr und mehr vom Markt verdrängt.
Der Vertrieb von heute besteht aus dem CD-Lager
und den wenigen Außendienst-Mitarbeitern, die hin und wieder die
Großmärkte besuchen. Die Händler kaufen auch nicht mehr,
sondern sie nehmen in Kommission. Und sie nehmen nur die Top-Hits der
Hit-Listen, wie schon in den 60er Jahren.
Für Unbekanntes ist in den Regalen der
Marktketten kein Platz. Dieser Markt fällt also aus.
Verkauf von unbekanntem Programm findet auf dem Markt überhaupt
nicht mehr statt.
Die Rundfunkbetreuung der Firmen versucht die Aufnahmen in die Sendungen
zu bekommen.
Die TV-Sender urteilen nach Marktanteilen und nehmen aus dem Programm,
was nicht genügend Marktanteil hat. Es gibt kaum Sendungen, in
denen Newcomer eingesetzt werden.
Dennoch ist nicht alles verloren.
Ein Künstler, der aus irgendeinem Grunde beim Publikum gut ankommt
und Auftritte hat, kann sein Produkt in großer Stückzahl
direkt an den Fan bringen, wenn er es richtig anstellt.
Wer also später einmal gutes Geld verdienen will, bringt eine Single-CD
auf den Markt und bietet die bei seinen Veranstaltungen an. Und nach
etwa vier Monaten die zweite Single und im gleichen Abstand danach dann
vielleicht die erste Maxi-CD mit 5 Aufnahmen. Dieses erste Jahr ist
gedacht, um Fans zu finden, Fan-Clubs zu gründen und mit jeder
Single Sender, Agenturen, Veranstalter und Händler anzusprechen,
um Kontakte zu bekommen, auch wenn man mehr als das nicht erreicht.
Der Newcomer tritt mit einem Programm von 2 x 15 Minuten auf, aber nicht
life mit Playback, sondern mit vollständigen gemasterten Gesangaufnahmen,
die er aber in einem professionellen Studio aufnehmen sollte, denn das
Programm soll nicht so klingen, als hielte der Sänger das Mikrofon
verkehrt herum, wie man das in letzter Zeit oft bei Fernseh-Lifesendungen
hört, bei denen man den Text überhaupt nicht verstehen kann
und wichtige Frequenzbereiche schlichtweg fehlen.
Es geht nämlich weniger darum, ob der Künstler life singen
kann. In den meisten Fällen stehen die Boxen der Zuspielanlage
ungünstig oder der DJ hat eine ganz eigene Meinung davon, wie alles
klingen soll. Dieser Gefahr sollte man sich nicht aussetzen, wenn man
nicht sicher sein kann, dass wirklich alles gut klingt und man also
genügend Zeit zum Proben hatte, wobei man immer auch beachten sollte,
dass ein leerer Saal hell und präsent klingt und ein Saal voller
Menschen viel von Höhen und der Laufstärke verschlingt.
Zunächst tritt man für ganz niedrige Gage auf, um oft dabei
zu sein, denn nur da kann man Fans gewinnen und Breitenarbeit im Kleinen
betreiben.
Wenn man gut ankommt und gefragt ist, spricht sich das rum. Auch Elvis
hat es so gemacht.
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Der Künstler und die Plattenfirma
Ehe man Kontakt zu einer Labelfirma oder einem Produzenten aufnimmt,
sollte man etwas über die Ziele der Beteiligten wissen. Denn
Mißverständnisse können zu Verärgerungen
führen, und das ist für diesen Markt sehr schädlich.
Künstler verfolgen ganz andere Interessen als die Vermarkter
(Tonträgerfirmen - Produzenten - Händler - Agenturen
- Sender), und sie erzielen die Einnahmen auch aus unterschiedlichen
Quellen.
Der Künstler ist in der Branche der
einzige wirkliche Großverdiener, er verdient das
<Große Geld> durch seine Auftritte.
Unbekannte Künstler, wenn man sie denn schon engagiert, bekommen
vielleicht 200,- bis 400,- Euro für 2 mal 15 Auftritts-Minuten,
oder sie werden im Vorprogramm eines Topstars eingesetzt. 400,-
Euro für weniger als eine Stunde Arbeit ist auch dann schon
ein herausragender Stundenlohn.
Wenn der Künstler aber Tonträger auf dem Markt hat,
bekommt er auch schon mal 1.000,- bis 5.000,- Euro, je nachdem
wie die Agentur ihn einsetzen kann. Wenn er aber in den Charts
auftaucht, sieht der Welt ganz anders aus. Dann liegen Gagen zumeist
im fünfstelligen Bereich. Die können also auch um 50.000,-
Euro liegen in großen TV-Shows.
In der Öffentlichkeit, also auch in
Künstlerkreisen, ist aber zumeist unbekannt, dass die Tonträgerfirma
davon keinen Pfennig bekommt.
Die Labelfirma setzt viel Geld ein, um den Künstler populär
zu machen, mit dem Ziel, viele Einheiten an Tonträgern zu
verkaufen, macht also die hauptsächliche Promotionsarbeit
durch Einsatz vieler Teams im Betrieb, aber vom Erfolg ihrer Arbeit
profitiert sie erst, wenn der Künstler sich auch hinsichtlich
der Tonträger vermarkten läßt.
Die Labelfirma finanziert somit hunderte von Flops durch einen
Top-Hit. Und wenn sie keinen hat, kreist der Pleitegeier bald
über ihr, und irgendwann wird sie dann von einem größeren
Konzern einverleibt. Diese Flops sind aber keineswegs immer schlechte
Aufnahmen, wie man jetzt meinen könnte, sondern die Käufer
sind lediglich nicht darauf aufmerksam geworden. Denn es kommen
im Monat tausende neuer Aufnahmen auf den Markt. Wie sollte man
da jede Aufnahme und jeden Künstler kennen.
Würden die Labelfirmen am Gesamterfolg beteiligt, also auch
an den Einnahmen des Künstlers, die von ihnen ja erst bewirkt
wurden, könnten sie für den Künstler und für
die Firma um das Zigfache mehr tun. Aber der Künstler hält
sich selbst für den Schlüssel des Erfolges, auch deswegen,
weil er ja nahezu nie seiner Labelfirma einen Besuch abstattet
und somit überhaupt nicht erfährt, was alles für
seinen Tonträger und für die Erhöhung seines Images
getan wird.
Wenn Interpreten also Absagen von Labelfirmen bekommen, dann zumeist
nicht deswegen, weil man mit ihnen keine verkäuflichen Aufnahmen
herstellen könnte. Die heutige Technik kann da Wunder vollbringen.
Und bei uns werden nicht einmal Ersatzsänger für die
Frontstimme eingesetzt, sondern wir können Stimmen so nacharbeiten,
dass sie dann auch gut klingen, wobei der Begriff gut auch immer
Meinung ist. Wenn es Absagen hagelt, dann nur, weil die Firmen
gar nicht das Geld haben, um Neueinsteiger auf Verwertbarkeit
zu prüfen, denn es geht dabei eben nicht um die gute Aufnahme,
sondern um das Gesamtkonzept, und das ist die Vermarktung des
Produktes Tonträger, von dem die Firma ja lebt, und wirklich
von nichts anderem.
Es werden oft Begriffe wie GEMA angeführt, aber die Mehrzahl
der Neueinsteiger weiß überhaupt nicht, was die GEMA
macht, und erst recht nicht, dass die Lebelfirma kein Geld aus
der GEMA bekommt, sondern bei Pressung eines Tonträgers kräftig
an die GEMA einbezahlen muß.
Auf einen Nenner gebracht ist das Problem: Der Neueinsteiger weiß
nicht, was auf dem Tonträgermarkt passiert, er bezieht sein
Kenntnisse aus Zeitschriften, deren Schreiber zumeist den Markt
auch nicht kennen und irgendwas verfassen, um Zeilenhonorar zu
bekommen.
Eine ständig wiederkehrende Frage von Interpreten wäre
also schon beantwortet, aber sie wird immer wieder ähnlich
gestellt:
"Wieso machen die Plattenfirmen denn keine Platte (CD) mit mir?
Ich kann doch richtig gut singen, das sagen alle, und alle wollen
auch eine CD von mir haben."
Geht man darauf näher ein, dann hört man: "Ich habe
auf dem Geburtstag von meiner Oma gesungen, sogar ohne Mikrofon
live, und alle waren super megamäßig begeistert und
haben gefragt, warum ich denn nicht auf Platten singe."
Auf die Frage, wieviele Leute denn da gewesen wären, kommt
dann etwa die Antwort: "Da war meine Oma und mein Opa, und noch
ein paar Tanten und Onkels, also bestimmt so fünfzehn bis
zwanzig Leute waren da, und alle wollten eine Platte von mir."
Und so erhebt sich die nächste Frage: Kaufen Verwandte und
Freunde wirklich die CD, oder erwarten sie nicht vielleicht, sie
geschenkt zu bekommen.
Diese Fragesteller sind in der Regel auch die Interpreten, die
bei Castingshows glauben besser abzuschneiden als die vielen vielen
anderen, die sich ebenfalls bewerben, und kaum jemand kann Notenlesen
oder hat eine Gesangsausbildung. Sie wollen den Weltraum erobern,
aber sie haben kein Raumschiff und könnten es auch nicht
fliegen.
Dass sich jemand beim Fernsehen bewirbt und sich der Konkurrenz
von 15.000 Mitstreitern aussetzt, statt sofort zu einer Labelfirma
zu gehen, ist schon merkwürdig genug. Aber dass er auch den
Sinn dieser Casting-Shows nicht erkennt, macht ihn für den
Markt nicht sonderlich geeignet, denn ihm fehlt logisches Denken.
Und das ist für den weiteren Weg unerläßlich.
Den privaten Fernsehanstalten geht es um Werbe-Einnahmen, denn
davon leben sie, und das ist absolut legitim.
Denn von unseren hohen Rundfunkgebühren bekommen sie nichts,
aber um Werbeeinnahmen zu erzielen, müssen sie eine hohe
Zuschauer-Quote erzielen.
Schadenfreude-Sendungen gab es schon immer, und Castingshows gehören
dazu. Jemanden mal so richtig <in die Pfanne hauen>, das
bringt Quote!
Aber alles hat auch seine Ordnung, denn es ist die freie Entscheidung
eines jeden Einzelnen, sich zu beteiligen oder sofort den professionellen
Weg zu beschreiten.
Man beachte: In zwei Jahren ist aus diesen Castings unter all
den zigtausend Bewerbern nicht ein einziger wirklicher Topstar
hervorgegangen, und man darf ganz sicher sein, dass geeignete
Interpreten darunter waren, denn wir finden doch auch immer wieder
welche, die sich eignen, auch wenn die dann irgendwann den Boden
unter den Füßen verlieren und der Markt sie nicht mehr
will.
Jeder hat eine Chance, irgendwie!
Bedenkt man, dass unverständliche Nuscheler und andere auf
den ersten Blick ziemlich Ungeeigenete sich durchgesetzt haben
und sogar Sportarenen füllen, kann man davon ausgehen, dass
nahezu jeder ursprünglich eine Chance hat, wenn er den Weg
geht, den der Markt will, der also beim Publikum ankommen kann.
Wer allerdingt nicht den marktgerechten Weg gehen will, sondern
seinen eigenen ausgedachten Weg verfolgt, wird es in der Regel
schwerer haben. Die Schallplattenfirmen wissen, was sich verkaufen
läßt, denn sie leben davon. Man sollte ihrem Rat also
vertrauen.
Eigentlich jeder, der sich irgendwo bewirbt, ist überzeugt,
dass sich eine CD mit ihm verkauft. Wenn er sich aber so sicher
ist, fragt man sich natürlich, warum er nicht selbst seinen
Weg geht und für sein Spargeld EINE erste CD produziert,
statt bis ans Lebensende zu behaupten, wenn man sein Können
nur erkannt hätte, wäre auch er ein Star geworden.
Denn man hat als Sänger ja keinen Verlust, weil er die Kosten
doch nur vorfinanziert und das Geld durch den Verkauf doch wieder
reinbekommt, während man sein Auto doch mit Verlust finanziert
und das für ganz selbstverständlich hält.
Es gibt Studios, die perfekt produzieren
könnnen, und Plattenfirmen, die Produktionen veröffentlichen,
gibt es nach wie vor.
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Ariola und ich
Am 17. Februar 1960 nahm ich im Tonstudio der Real-Film Hamburg meine
Lieder 'Der alte Straßenmusikant' und 'Förster-Annemarie' auf, und von
da ab wurde alles sehr teuer, denn in diesem Studio wurden auch die großen
Hollywood-Filme sychronisiert. Aber das beste Studio war für Ariola gerade
gut genug, denn inzwischen hatte ich einen Produktionsvertrag mit der
Ariola geschlossen. Ich wurde plötzlich mit einer völlig neuen Welt konfrontiert
und mitten hineingeschleudert in eine Zeit, die man heute die 60er Jahre
bezeichnet, und die so extreme Umbrüche und Erkenntnisse brachte.
Ich war mitten drin in diesem rasanten Umschwung der Musik, den die Beatles
eingeläutet hatten. Aufgefallen war uns das aber zunächst nicht. Harald
Göttsche, mein Acondor-Partner in Hamburg, und ich, die wir mit dieser
Gruppe zu tun hatten, haben dieser Musik nur insofern Bedeutung beigemessen,
als es sich um eine ganz unübliche instrumentale Besetzung handelte. Nur
Gitarren und ein Schlagzeug, und merkwürdigerweise kein großer Kontrabaß,
wie wir ihn von Hansi Last, den die Polydor später zum James Last machte,
gewohnt waren, sondern ein Baß auf einer Gitarre gespielt. In jener Zeit
war Hamburg der Mittelpunkt der Schallplattenindustrie. Dort hatte der
Marktführer Polydor, ein Kind der Deutschen Grammophon, seinen Sitz, aber
auch Telefunken Decca, die spätere Teldec, und auch die Philips und Metronome.
Nur die Electrola hatte den Sitz in Köln. Und die Ariola hatte die Schallplattenproduktion
begonnen, mit Sitz in Gütersloh, eine Tochter des Bertelsmann-Clubs. Und
ich war einer der Produzenten.
Es war also meine Ariola-Zeit. Die Beatles hatten einen Produktionsvertrag
mit 'Fips' Kempfert. Bert Kempfert war Produzent der Polydor und wurde
als der Nr.1-Produzent der Branche angesehen, wohl deswegen, weil er seinen
Top-Sänger Freddy von einem Sieg zum anderen führte. Und die Beatles und
ihre Musik? Sie waren das Hauptgesprächsthema, wenn wir im Studio der
Real-Film aufnahmen. Unser Clan, das waren Tonmeister Werner Pohl, der
auch die Synchronisation der Hollywood-Filme fuhr und die Musiker meiner
Studio-Band, nämlich Hansi Last und sein Bruder Robert, der Schlagzeuger,
das war Billy Mo an der Trompete, Jonny Müller, der durch Aufnahmen mit
der Mundharmonika schon einen gewissen Rang einnahm, und Ladi Geisler
an der Gitarre, Joe Mendt, der später auch ein eigenes Orchester leitete,
und Friedel Wende, meine rechte Hand bei den Aufnahmen und Gesangspartner
meines Waldner-Duos, und auch Erich Sendel an der Hammond-Orgel. Zu der
Zeit waren Effekte durch technische Hilfsmittel völlig unbekannt. Effekte
erzeugte der Musiker an seinem Instrument.Lediglich der Hall hatte einen
sehr hohen Stellenwert und war das Problemkind damaliger Aufnahmen. Die
großen Studios hatten einen Hallraum. Das Tonsignal wurde in diesen Raum
hineingespielt und an anderer Stelle mittels eines Mikrofons wieder aufgenommen
und zugemischt. Die Beatles aber? Neben der Gitarrenbesetzung und den
für unsere Ohren ungewohnten Harmoniefolgen nahm der Hall einen großen
Teil in unseren Diskussion ein. Denn sie verzichteten weitgehend darauf,
und ihre Aufnahmen klangen ein bißchen, als kämen sie aus einem Blecheimer.
Was hier aber nur Diskussionstoff war, sollte uns später sehr beschäftigen,
denn viele Band bestanden darauf, ohne Hall abgemischt zu werden.
Eigentlich sind es immer Zufälle, Kreuzungen oder Abzweigungen auf dem
Weg des Lebens, die das weitere Geschehen bestimmen. In meinem Falle ging
der Gründung des ersten eigenen Labels, der Acondor KG, auch ein derartiger
Umstand voraus.
Ich hatte mit meiner ersten Produktion für Ariola sofort einen Hit gelandet.
Text und Musik zu 'Der alte Straßenmusikant' hatte ich geschrieben, und
weil ich keine Gesangsgruppe dafür auftreiben konnte, die vertragsfrei
war, haben Friedel Wende und ich unter dem Pseudonym 'Das Waldner-Duo'
gesungen. Friedel Wende war zu der Zeit Sänger im Golgowsky-Quartett,
das zusammen mit Friedel Hensch und den Zypries die Marktführer unter
den Schlager-Gruppen waren. Ich hatte ihn mir für diesen Zweck ausgeliehen.
Die Ariola machte für meine Single eine Sondertasche, das war schon etwas
Besonderes. Standard waren die grünen Lochtaschen ohne Foto der Künstler.
Zu diesem Zweck fuhr einer der Ariola-Leute mit dem Auto herum und fotografierte
im Vorüberfahren einen Leierkastenmann. Und um es besonders schnulzig
zu machen montierte man auch noch einen Hund in das Foto.
In jener Zeit stand in jeder Kneipe eine Musikbox, und wer darin einen
Platte plazieren konnte, gehörte dazu. Besondere Aufmerksamkeit schenkte
man Singles, die eine Sondertasche hatten, weil die Schallplattenfirma
damit dokumentierte, dass das eine Schwerpunktplatte sei. Dieser Begriff
war entsprechend eingeführt.
Damals kauften die Boxenaufsteller bei Schallplattengroßhändlern ein,
was bedeutete, daß diese Großhändler ziemlich stark den Markt beeinflußten.
Die Plattenfirmen bemusterten also nicht nur den Rundfunk, sondern gezielt
auch diese Boxengroßhändler.
Gütersloh, der Sitz der Ariola, war nicht so weit von Osnabrück entfernt,
und so machten wir uns wenige Tage nach dem Erscheinungstermin der Platte
auf den Weg, um einige Kartons voll Singles abzuholen, denn natürlich
wollten wir uns sofort nach Kräften einklinken. Es gibt Ereignisse, die
vergißt man im Leben nie. Meine Frau Karla und ich, wir wurden von der
Ariola zu unserer größten Verwunderung wie Könige empfangen, und man eröffnete
uns, daß Großhändler Rehbock in Hamburg sofort 2.000 Singles bestellt
hatte, und Volbracht im Rheinland 800 Stück. Großhändler trugen nämlich
das Risiko, auf Bestellungen sitzen zu bleiben, wenn die Boxenaufteller
die Platten nicht kauften. Und eigentlich kaufte man sehr abwartend nur
einen Karton zu 25 oder 30 Platten.
Diese Bestellungen also bedeuteten, daß der Boxengroßhandel die Platte
sofort als Hit eingestuft hatte.
Heimo Pockberger vom Westdeutschen Rundfunk Köln moderierte einmal im
Monat eine Musiksendung mit dem Titel 'Schnulzen und Schnulzitüden', in
der er 45 Minuten lang eine einzige Platte zerflückte, den Text also Zeile
für Zeile auseinandernahm, und am Schluß der Sendung zerbrach er die Single
mit lautem Kracher.
Und wenige Wochen nach Erscheinen hatte er meine Platte für seine Sendung
ausgewählt. Mir war das ziemlich peinlich, doch als die Verkaufszahlen
danach in die Höhe schossen und die Sender laufend spielten, verblaßte
das Gefühl mehr und mehr.
Als dann die Radiozeitung 'Leg auf' am 7. Juli 1960 diesem Titel die Urkunde
'Schnulze des Monats' vermachte, und die Musikredaktion der Bild-Zeitung
ebenfalls, und der Titel dann sogar zur Schnulze des Jahres gewählt wurde,
war diese Aufnahme der Jahres-Hit 1960.
Die Musik hatte die Jugend ergriffen. Das zeigte sich ganz besonders dadurch,
daß immer mehr Musikzeitungen auf den Markt kamen. Die BRAVO gab es schon,
aber die hatte zum Kern eigentlich mehr die Filmstars. Sie war auch der
Marktführer der Teenagerzeitungen. Die spezielle Kapellenzeitung war DER
ARTIST. Diese Zeitung wandte sich aber an Musiker und deren Bedürfnisse.
Instrumente wurden also in Artikeln behandelt, auch wurde da und dort
mal über Kapellen und Tanzloklale berichtet, manchmal auch über Platten-Neuerscheinungen.
Ein bißchen volksnaher war die Zeitung PODIUM. Seit aber der Schwerpunkt
der Singleumsätze im Bereich der Musikboxen lag, war die dickste und wichtigste
Zeitung für den Singlemarkt der AUTOMATENMARKT, der sich an Boxenaufsteller
und Großhändler wandte. Wer in dieser Zeitung besprochen wurde, hatte
schon halb gewonnen, denn die Aufsteller griffen zu. Die Zeitungen MUSIKMARKT
und MÜNZAUTOMAT wandten sich im wesentlichen an den Fachhandel, also an
die Schallplattengeschäfte. Diese drei Zeitungen waren also für die Promotion
am wichtigsten.
Die LEG AUF war eine Radiozeitung, die die Radioprogramme meldete, die
aber auch über Schallplatten schrieb. Und BILD hatte eine eigene Musikredaktion.
Wer da erschien, erreichte millionen Leser.
Neu war dann aber die reine Teenagerzeitung MUSIKPARADE, die sich gezielt
an jugendliche Musik-Fans wandte und auch Poster zum Inhalt hatte. Irgendwann
kam parallel dazu noch POPFOTO raus, in der viele Poster angeboten wurden.
Und weil das so gut lief, erschien dann auch die OK auf dem Markt, die
sich nicht sonderlich von der Musikparade unterschied.
Ariola war sehr aktiv, was Promotion anbetraf, und veröffentlichte Plakate
für die Schaufenster der Musikgeschäfte, wo immer der Umsatz angeschoben
werden sollte.
So veröffentlichte sie auch ein Plakat im A3-Format für meine Platte DER
ALTE STRASSENMUSIKANT, auf dem die Hülle in voller Papiergröße
abgedruckt war. Die Zeitungen überschlugen sich mit Artikeln, und am 15.
Juni 1960 erschien die Platte auf Platz 43 in der Hitparade von AUTOMATENMARKT.
Am 7. Juli wurde die Aufnahme "Schnulze des Monats" bei LEG AUF und in
der Bildzeitung. In den Jahren gab es auch die sehr beliebten Serie der
ARCADIA-Schlagertexthefte "Dein schönstes Lied", und in Folge 61 erschien
der Text meines Liedes. Ariola veröffentlichte eine laufende Serie Streifenplakate
"Die 10 besten des Monats", die 17 cm breit waren, damit sie nicht die
Schaufenster der Schallplattengeschäfte verdeckten, denn breite Plakate
hängten die Geschäfte nur ungern aus. Und auf Folge Juni 1960 war auch
DER ALTE STRASSENMUSIKANT vertreten.
Am 1. Juli rückte er in der Zeitungshitliste auf Platz 35 vor, lag am
1. August auf Platz 26, und noch immer berichteten die Zeitungen in vielen
dutzend Artikel über das Lied.
Das deutsche Schlagerfestival 1960. 1.
Platz für Karina-Lu
Während der Vorentscheidung wurde KARNIA-LU
von Erik Herschmann aufgeführt, der später als Erik Silvester bekannt
wurde. Mit ihm machte RTL-Vertragspartner Metronome auch die Schallplattenaufnahme,
denn eine Veröffentlichung auf Single hatte RTL Luxemburg für die zwanzig
Lieder der Endrunde garantiert. Aber schon während der großen Party im
Anschluß an die Veranstaltung gab es für uns einen herben Dämpfer.
Wir erwarteten natürlich, daß die Polydor mein Lied mit Peter Kraus veröffentlichen
würde. KARNIA-LU war der Siegertitel, war der beste Teenagersong, es gab
für mich überhaupt keinen Zweifel. Was hätte Peter Kraus besseres passieren
können als einen Festivalsieger auf Platte zu veröffentlichen. Der Titel
war durch den Sieg bereits durch, mußte sich gar nicht erst bewähren,
die Platte würde ein Selbstläufer sein, das war eigentlich allen klar.
Aber: Da ich den Titel als Verleger meines Osnaton-Musikverlages eingereicht
hatte, war er schon verlegerisch gebunden. Und dann kam der Hammer: Polydor
verlangte nämlich, daß der Titel im Gerig-Verlag erscheinen würde. Der
Hintergrund dieser Forderung war mir nicht klar, was wieder mal beweist,
daß man unglaublich viel Branchenkenntnis benötigt, um das Richtige zu
tun. Denn es ging dabei um die Gema-Tantiemen. Von den 12/12 des Komponisten
und des Textdíchters bekommt der Verleger nämlich 4/12 ab, wenn er Noten
des Titels veröffentlicht, also die Veröffentlichungsrechte besitzt. Das
Verlagswesen war damals ein wichtiger Geschäftsbereich in der Branche.
Ich hätte das Lied dem Gerig-Verlag übertragen können, denn ich war ja
Eigentümer der Rechte, nur wußte ich nicht, daß dieser Weg möglich war.
Also kam eine Aufnahme mit Peter Kraus nicht zustande.
Ich stand also vor der Frage, ob ich auf meinem Partner-Label Ariola eine
zusätzliche Aufnahme zur Metrenome-Version veröffentlichen sollte.
Die ganze Festivalsache war schon sehr teuer geworden, denn es gab für
die Teilnehmer des Festivals damals ja sehr hohe Startgebühren. Wir hatten
also schon mehrere tausend Mark in dieser Sache stecken, und für das Geld
bekam man in jener Zeit fast schon ein kleines Auto. Das Problem war nämlich:
Die Gema-Tantiemen fließen erst ein halbes bis ein Jahr nach Abrechnungszeitraum,
mein erster Ariolatitel würde also erst nach etwa zwei Jahren Gemageld
einbringen, und Ariola bezahlte Produktionslizenze auch erst ein halbes
Jahr nach Abrechnungszeitraum das erste mal aus, also weit später als
ein Jahr nach Voröffentlichung.
Das Finanzierungsproblem hatte mich deswegen gezwungen, Teile meiner Autorenrechte
an Fremdautoren zu verkaufen, und so nahm ich die Herren Helwig und Korf
als Autoren mit hinein, um Bargeld zu bekommen und um weiterproduzieren
zu können. Produzenten, die fest im Hause Bertelsmann angestellt waren,
werden sicher Vorschüsse bekommen haben, um damit arbeiten zu können,
aber ich als freier Vertragsproduzent, der alles allein entscheiden konnte,
mußte auch selbst finanzieren.
In alle diese Geldfragen wurde natürlich meine Frau Karla eingebunden.
Ich entschied also nichts allein. Wir entschlossen uns dann aber, eine
Produktion für Ariola zu machen mit einem Sänger, der stimmlich der des
Peter Kraus ähnlich war, mit diesen Kicksern und halbverschluckten Silben.
Wir setzten dafür Detlef Sauthoff ein, den wir Detlef Kraus nannten, um
unbedingt ein bestimmtes Image in dieser Richtung aufzubauen. Die Aufnahme
erschien als Schnellschuß und wurde bei RTL Luxemburg der absolute Hörfunk-Renner.
Camillo Felgen, der Chefsprecher des Senders, hatte das Sagen im Bereich
Musik bei RTL, und er setzte ihn in seinen Sendungen täglich mehrmals
ein. Aber auch die anderen Sprecher, darunter auch der neu eingestellte
Frank Elsner, waren eingebunden. Die Aufnahme lief nahezu stündlich mehrere
Wochen lang auf diesem Sender. Sowas war absolut einmalig und wurde auch
von den Topstars jener Jahre nicht erreicht. BRAVO hatte den Text unter
veröffentlicht, aber auch einen kleinen Bericht gedruckt
und die Fanclub-Adresse erwähnt. Die Folge davon war, daß Detlef Kraus
schon in der ersten Woche mehrere Waschkörbe voll Zuschriften bekam, die
alle an die Ariolaadresse gingen. Die Single mit Erik Herschmann, der
noch eine Platte mit Rainer Bertram folgte, lief als RTL kaum, dafür aber
auf NDR Hamburg und WDR Köln, und auch da vorrangig, denn das Deutsche
Schlagerfestival war ein bedeutendes Jahresereignis in damaliger Zeit.
Alles lief plötzlich mehrgleisig. Denn der STRASSENMUSIKANT
war keineswegs aus dem Rennen. Ariola hatte als zweiten Vertriebsweg ja
den Bertelsmann-Ring mit ihrer Clubzeitung. Dieser Vertriebweg ermöglichte
Maßnahmen, die andere Firmen nicht hatten. So erschien die Aufnahme auf
mehreren Langspielplatten, die die Probleme des Zehnerwechslers aus der
Welt schaffen sollten. Es kamen also nach der Single Ariola 35 384 sechs
LPs heraus, nämlich Ariola 60 372 "Heimat, du Land unserer Sehnsucht",
Ariola 33 051 "Im Wald und auf der Heide", Bertelsmann 33 086 "Zwischen
Berg und Tal", Bertelsmann 33 114 "In der Heimat wohnt das Glück" und
Opera 1720, sowie "Dort im Heimattal" auf Columbia 45 DH 709
Dr. Werner Kleine vom WDR Köln schrieb mir am 18. Juli 1960 "Ich komme
gerade von einem fünf wöchentlichen Sanatoriumsaufenthalt zurück. Deswegen
die Schweigsamkeit. Ich selbst habe den "Straßenmusikanten"
wieder am 30.8.60 im Programm. Er wird weiterlaufen. "Baby
Sunshine" und "Zwischen 16 und 19"
(Andy Ray-Ariola) sind angekauft". Die Sender kauften damals Schallplatten
an und informierten die Produzenten sogar. Denn jetzt mußten sie nicht
mehr selbst Aufnahmen mit ihren Orchestern machen. Die beiden Aufnahme
mit Andy Ray waren die ersten, die ich selbst produziert hatte, noch ehe
ich bei Ariola angefangen hatte, die aber wohl doch zu sehr im Stile der
Rundfunk-Tanzorchester etwa im Stile von Frank Sinatra aufgenommen waren,
um bei den Teenies gut anzukommen. Aber immerhin hatte BRAVO den Text
der A-Seite veröffentlicht.
Es war auch die Zeit, als im Fernsehen die Serie "Lassie" lief. Und ein
bißchen war es auch die Zeit der Tränen und der Sentimentalität. Was lag
näher, als ein Lied zu veröffentlichen, das ein Hundeschicksal beschrieb.
Der 13-jährige Little Wölfi war genau richtig dafür, denn er hatte eine
glasklare kräftige Jungenstimme ähnlich der von Heintje, der von Wolfgang
Rohloff (Ronny) produziert wurde, und in dessen Studio unsere Acondor
später aufnahm.
Lassie, kehr heim
so hieß das Lied mit Little Wölfi, das ich für Ariola produzierte und
dann im Herbst 1960 gestartet wurde.
Es war kaum erschienen, da landete es auch schon auf Platz 4 in der Hitparade
von Radio Luxemburg. Der dritte Erfolg also innerhalb weniger Monate.
Ariola hatte eine Sondertasche gemacht, auf der allerdings statt eines
Collies ein Afgane zu sehen war. Aber offenbar hat das niemanden gestört.
Die Zeitung BRAVO hatte meinen Text abgedruckt, eine Auszeichnung, die
nur Liedern zuteil wurde, die bei den Teenys gefragt sein würden. Monat
für Monat berichteten die Musikzeitungen über diese Aufnahme, und sie
stieg in der Hitparade der Zeitung AUTOMATENMARKT immer höher, am 15.
Juli 1961 auf Platz 32, und bei Ariola war das Lied im Juli, im August
und im September 1961 auf den monatlichen Plakaten der 10 Besten des Monats
genannt. Normalerweise lief ein Schlager in jenen Jahren etwas vier Monate,
denn erschien die nächste Platte. Man Produzierte also in der Regel mit
einem Sänger alle vier Monate eine neue Single-Platte. Nur bei Freddy
war das anders, da lief die A-Seite einige Monate, und sobald die langsam
abklang, wurde die B-Seite angeschoben. Bert Kempfert produzierte also
zwei A-Seiten, also nur zwei Platten om Jahr. LASSIE aber hielt sich mehr
als ein Jahr und wurde wöchentlich in Zeitungen und in der Werbung erwähnt.
Aber zurück zum Herbst 1960, also zur Startzeit dieses Liedes. Denn in
der Zeit tat sich viel mehr.
Mein Erfolg bei Ariola war nicht unbemerkt geblieben, und so holten sich
mehrere Ariola-Produzenten bei mir Unterstützung für ihre Produktionen.
In diesen Tagen erschienen dann auch verschiedene Aufnahmen meiner Lieder,
oder sie erschienen in meinem Verlag.
"Schwiegermuttertag"
hatte Will Glahé für Polydor aufgenommen, den ich in meinem Osnaton-Musikverlag
veröffentlichte.
"Der Scherenschleifer / Wo im Tal die alte Mühle",
diese beiden Ariola-Lieder erschinen auch in meinem Verlag.
"Die Tage vergehen"
war ein Lied von mir mit Jenny Johnsen,
"Irgendwo findet jeder seine Heimat"
erschien auf Ariola mit Gina George, die später bei Polydor der aufgehende
Star Gina Dobra wurde und jäh dorch einen Autounfall aus dem Rennen geworfen
wurde, und
"So ein Kuß von einem Matrosen"
mit Eddy Hoger kam ebenfalls auf Ariola heraus.
"Wolken im Wind" von Karl
Golgowski erschien auch in meinem Verlag.
Jeden Tag liefen in den Rundfunksendern etliche meiner Lieder, denn auch
"Karina-Lu" war ja groß im Rennen,
Und immer wieder lief auch die Teldec-Aufnahme "Keiner
ist allein" mit der Musik von Peter Igelhoff.
In diesem Oktober hatte ich weitere Produktionen durchgeführt. Die Arrangements
hatte dieses Mal wieder Erich Sendel geschrieben, der besonders gefühlvolle
Besetzungen zusammenstellte. Hansi Last, Robert Last, Billy Mo, Ladi Geisler
und natürlich Erich Sendel waren die Musiker, die bei allen Aufnahmen
mitwirkten.
"Solong, großer Häuptling"
und "Leberfleck-Jack" nahm ich als
Folgeproduktion mit Detlef Kraus auf, aber noch ehe die Platte erschien,
hatte sich der Konzertpianist Detlef Kraus gemeldet, und wir mußten unseren
Detlef umbenennen in Detlef Cordai. Aber noch immer berichten die Zeitungen
über "Karina-Lu", nun schon seit einigen
Monaten, auch noch im Dezember. Denn da wurde die Frage aufgeworfen, wer
die Metronome-Aufnahme nun wirklich gesungen hat, Erik Herschmann oder
Rainer Bertram, und auf dem Billiglabel Starlet war eine Aufnahme mit
dem Orchester Lothar Nakat erschienen. Ein Zeichen für Erfolg in jener
Zeit war, wenn andere Label einen Titel nachzogen, und der Erfolg wurde
noch getoppt, wenn es sogar Orchesteraufnahmen davon gab.
Dieser Oktober 1960 sollte dann meine Produzenten-Zukunft sehr wesentlich
verändern, denn gleich mehrere Probleme traten ein, mit denen nicht zu
rechnen war.
"Kein Gnadenbrot für einen armen Hund"
sollte nämlich die Folgeproduktion vom "Straßenmusikanten"
mit dem Waldner-Duo werden. Aber mein Duo-Partner Friedel Wende hatte
offenbar mit seiner Plattenfirma Philips Probleme bekommen und sagte kurzerhand
ab. Schnulzensänger allerdings findet man nicht so leicht wie Schlagersänger,
und so blieb mir nicht anderes übrig, als auch die erste Stimme selbst
zu singen.
Ehe eine Schallplattenauflage gepreßt wird, bekommt der Produzent zunächst
noch eine Anpressung, um evtl. technische Fehler bei der Überspielung
auf Matrize oder in der Galvanik zu prüfen. Und so bekam ich auch in diesem
Falle die Musterpressung, hörte sie ab und gab sie zur Pressung frei.
Alles war wie immer.
Kurz danach aber bekam ich die Mitteilung, daß Ariola diese Aufnahme nicht
veröffentlichen wollte, weil sie ihr zu schnulzig sei. Man war damals
noch sehr eingstirnig, und Aufnahmen, in denen Erotik auch nur angedeutet
oder zweideutig erwähnt wurden, keine bei Prüfstelle für jugendgefährdende
Schriften auf den Index, wurden also verboten. Das Wort Sex hätte also
niemand verwendet.
Mein Vertrag mit Ariola sah vor, daß ich bestimmen konnte, was veröffentlicht
werden soll. Wer Verträge heutiger Zeit kennt, wird über diesen Passus
sicher staunen. Aber Ariola konnte eine Veröffentlichung ablehnen aus
ethischen Gründen. Und ein Hund, der am Grab seines Herrchens sitzt und
ihn betrauert, das war denn also doch zu extrem. So schlug man mir vor,
die Aufnahme auf EP zu veröffentlichen.
Eine EP war eine 17cm-Platte, bei der auf jeder Seite zwei Lieder waren,
eine kleine LP also.
Aber diese Platte lief nicht in Musikboxen, weil der Tonarm sich schon
nach 2.50 Minuten ungefähr hob. Lange Lieder wurden also nicht bis zu
Ende gespielt. Der Boxenbesitzer knnte die Laufzeit einstellen, und der
Grund für kurze Laufzeiten lag schlichtweg darin, daß schon bald wieder
der nächste Groschen in die Box gesteckt werden sollte für das nächste
Lied. Kurze Lieder bedeuteten also mehr Geld. Die Boxenaufsteller damaliger
Zeit waren es also, die die Länge eines Schlagers auf unter drei Minuten
begrenzten, und sogar die Sender im Jahre 2000 halten sich noch daran,
und sie wissen ganz sicher nicht, wo der Ursprung war.
Ich lehnte eine Veröffentlichung auf EP ab, denn ohne Boxeneinsatz konnte
diese Aufnahme sich nicht durchsetzen. Die Ablehnung der Ariola war somit
der Auslöser für die Grundung der Acondor KG.
CCA Ein Vorwort
Über die Musik der 60er Jahre kann man in vielen Büchern lesen, aber häufig
bleiben die Fakten auf der Strecke und man erfährt weitgehend die Meinung
des Verfassers, abhängig vom musikalischen und technischen Wissenstand
und von Sympathien.
Weil es sich bei den Autoren aber selten um Zeitzeugen handelt, kann es
ratsam sein sich vorher mit der Materie selbst zu befassen, ehe man diesen
Beschreibungen nähertritt.
Die Musik jener Jahre und unsere Bemühungen darum werden häufig falsch
gedeutet. Jede Zeit prägt auch seine Musik. CCA, das war weitgehend die
Zeit der Beatmusik, die Zeit der Beatbands.
Eine Nachbetrachtung durch spätere Generationen orientiert sich am Hörensagen,
wirkliche Analytik kommt oft zu kurz.
Es kann also geraten sein sich auf die Beurteilung zu beschränken, ob
die Musikaufnahmen technisch einwandfrei gespielt und gesungen sind, ob
sie dem Sinn des Stückes auch entsprechen. Mit entsprechender schulischer
Ausbildung ist das gewiß möglich. Gegen eine solche sachliche Betrachtung
und auflistung der Fakten ohne Beurteilung ist also nichts einzuwenden.
Mit der Meinung darüber sollte man sich aber tunlichst zurückhalten, weil
eine weitgehende Kenntnis der jeweiligen Zusammenhänge Voraussetzung dazu
wäre. Was unsere Aufnahmen anbetrifft, so wollen wir versuchen alles zusammenzutragen,
was sich ereignet hat. Es kann gewiß auch interessant sein die Sichtweise
der Bands kennenzulernen.
Weil die Produktionen unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen zustande
gekommen sind, jede unter einer völlig anderen, muß man alle Seiten beleuchten,
die als Grund für die Aufnahmen heranzuziehen sind. Es werden inzwischen
Beweggründe unterstellt, die der heutigen und nicht der damaligen Zeit
entsprechen.
Hätten wir an dieser Arbeit keine Freude gehabt, hätten wir uns gewiß
einem weniger risikoreichen Projekt zugewandt. Es war also keineswegs
vordergründig der Gelderwerb, der uns antrieb.
Daß wir irgendwann die Veröffentlichung auf CCA einstellen mußten, belegt
auch, daß dieses Projekt nicht finanzierbar war.
Wir haben zwar alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die uns aus unseren Ariolaerfahrungen
bekannt waren, aber diese Kenntnisse waren den Bands kaum zu vermitteln.
Die Musiker waren zumeist der Meinung, daß eine Schallplattenfirma in
der Lage sein müßte mittels hohem Geldeinsatz jede Aufnahme durchzusetzen,
was bedeutet, daß auf dem Markt Monat für Monat einige hundert Nr.1-Hits
gewesen wären.
Wir hingegen gingen immer auch davon aus, daß die Gruppen einige hundert
Fans hinter sich scharen konnten, die ihre Single kaufen würden. Denn
nur über die Euphorie und die unmittelbare Nähe des Auftritts war etwas
zu verkaufen. Am Tag darauf war alles vergessen, es gab längst neue Schwerpunkte
des Tages, und die Geschäfte hatten die Platte ohnehin nicht am Lager,
denn der Handel ging kein Risiko ein.
Geld spielte also eine wesentliche Rolle, sowohl bei den Schallplattenfirmen
als auch bei den Produktionen. Die Verkaufserwartung wurde dem Kostenaufwand
gegenübergestellt. Die Veröffentlichung von Schallplatten war aus geschäftlicher
Sicht nichts anderes als das Angebot irgendeiner Ware, wobei erschwerend
hinzukam, daß hier nicht ein eingeführtes und laufend beworbenes Produkt
fortlaufend angeboten wurde, sondern jedesmal eine neue Ware durchzusetzen
war, die also neu auf den Markt kam.
Aus Kostengründen war es unmöglich, mit Amateuren in einem teuren Studio
aufzunehmen. Für ein Playback mit unseren Hamburger Studiomusikern brauchten
wir etwa 30 bis 45 Minuten, und wenn Bläser, Streicher oder Chöre hinzukamen,
wohl auch zwei Stunden. Aber alles war vorbereitet, alle Beteiligten arbeiteten
nach Noten, jeder wußte, was er zu tun hatte. Denn es war sein täglich
Brot, er machte diese Arbeit ja Tag für Tag und hatte Musik studiert.
Amateurmusiker brauchten für einen Titel durchaus auch einen ganzen Tag,
oder auch mehr. Denn besondere Risiken kamen manchmal hinzu.
Die Beatgruppen kamen zumeist mit drei oder vier Fahrzeugen, um die Geräte
zu transportieren, und eines der Fahrzeuge blieb unterwegs oft genug liegen.
Wir konnten also nur selten zum angesetzten Zeitpunkt aufnehmen. War der
Beginn auf morgens um 8.00 Uhr angesetzt und eine Gruppe kam wirklich
pünktlich, so dauerte der erste Aufbau der Anlage eben doch mehr als eine
Stunde. Hinzustellen der Mikrofone allein für das Schlagzeug mit Soundcheck
verschlang weit über eine weitere Stunde, und die anderen Musiker wurden
schon unruhig, denn nichts war hier so einfach wie auf der Bühne.
Jedes Schlaginstrument mußte gleichlaut klingen, sollte aber auch präsent
sein, was bedeutete, daß die Mikrofone nahe an der Aufschlagposition sein
sollten, denn die Instrumente sollten ein Panorama bilden, etwa so wie
sie optisch positioniert waren; doch der Schlagzeuger durfte in seiner
Exstase auch kein Mikrofon zerschlagen, sich aber auch im Spiel nicht
gehindert fühlen.
Die Rhythmusgitarre war relativ schnell zugeordnet, der Baß hingegen war
problematischer, weil er häufig grummelte und nicht präsent war, was uns
manchmal dazu übergehen ließ, unsere eigene Fenderanlage zu verwenden,
die für diesen Fall bereit stand. Und ganz sicher waren inzwischen Saiten
gerissen und man mußte erneut stimmen.
Das weitere Problem war dann die Sologitarre, denn Sologitarristen haben
zumeist ein schwerspielbares Solo eingebaut, und kurz vor zwölf Uhr war
der Solist dann schon erschöpft wegen der langen Wartezeit und der Luft,
die man fast durchschneiden konnte. Es folgten zwar noch einige Probeaufnahmen,
um die Lautstarke der Instrumente zueinander einzustellen und der Gruppe
das Gefühl zu geben, nun doch aufnahmebereit zu sein, aber es war inzwischen
zumeist schon 13.00 Uhr. Es war also Mittagszeit, und noch nichts war
auf dem Band.
Also fuhr die Gruppe los, um irgendwo zu Mittag zu essen. Mit Hin- und
Rückfahrt, mit Wartezeit beim Bestellen und Essen wurde durchaus 15.00
Uhr daraus, und einige Musiker hatten dann auch mal ein Bier zuviel getrunken,
um den Frust von der Seele zu spülen.
Das Problem mit dem liegengebliebenen Fahrzeug oder mit dem defekten Verstärker
war in diesem Falle zeitlich nicht mit eingerechnet.
Die nächste Aufgabe war dann, die Musiker wieder wach zu bekommen, denn
nach dem Essen und dem eingeatmeten Zigarettenrauch waren einige müde.
Später erließ ich Rauchverbot im Studio. Geraucht wurde nur mehr draußen
irgendwo.
Bei Bühenauftritten der Bands singen bekanntlich Frontsänger und Chor.
Bei Schallplattenaufnahmen aber wird zunächst das Playback aufgenommen
und erst danach der Gesang. Für Amateurmusiker also absolutes Neuland.
Und so bestand die Gefahr, daß der Rhythmus immer schneller wurde. Nicht
jeder Schlagzeuger hatte ein Metronome im Gefühl.
Ich ließ den Frontsänger bei den ersten Durchgängen mitsingen, denn wir
brauchten einige Proben, um Lautstärke und Sound einzustellen. Dazu war
nötig herauszufinden, in welchem Verhältnis die Instrumente später zum
Gesang standen. Genau hier konnte ein sehr nachhaltiges Problem entstehen,
weil der Gesang unverständlich werden konnte, wenn ein Instrument ihn
verdeckte, und er deswegen vielleicht zu weit nach vorn geholt werden
mußte, was wiederum den Schalldruck des Playbacks nachteilig beeinflußte.
Meine Arbeit bestand während dieser Probedurchgänge aber auch darin, den
Hall des Playbacks zuzuordnen, denn im Nachhinein konnte nichts mehr verändert
werden. Und immer mußte zwischendurch wieder abgehört werden, die Musiker
mußten Ihre Meinungen gegeneinander abstimmen, weil eigentlich jeder sein
Instrument für zu leise erklärte.
Irgendwann mußte auch der Zeitpunkt erreicht werden, wo die Gruppe mehrere
Mal fehlerfrei durchspielen konnte. Machte nur ein Musiker einen Fehler,
mußte wieder ganz von vorn begonnen werden, denn Teile zusammenschneiden
brachte kaum etwas, weil Sound und Tempo einer Aufnahme nicht mit einer
anderen harmonierte. Und wir brauchten mehrere fehlerfreie Aufnahmen,
weil man erst beim mehrmaligen Anhören erkannte, wo die Stärken und Schwächen
der Aufnahmen lagen oder wo noch versteckte Fehler vorhanden waren.
Die Playbacks waren also immer Liveaufnahmen. Es war reine Handarbeit.
Und der Anspruch war sehr hoch. Diese Aufnahmen sollten mit der Qualität
in großen Studios mithalten können, sollten aber auch spieltechnisch gleichwertig
sein. Hinzu kam, daß die Technik der großen Studios nicht verfügbar war.
Die G36 von Revox und die Echomixer von Telefunken mußten das leisten,
was die M5 und M10 von Telefunken und die großen Mischpulte und der Hallraum
in den Großstudios hergaben.
Die Band erwarteten die Qualität eines Großstudios und waren sich nicht
darüber im Klaren, daß sie selbst keine studierten Musiker waren, um Qualität
zum Selbstgänger zu machen.
Wenn dann das erste Playback fertig war, benutzten wir die gefundene Einstellung,
um das zweite Playback zu machen und wenn möglich noch eine Reserveaufnahme,
um aus drei Aufnahmen die zwei besseren auswählen zu können.
Der Gesang fiel zumeist in die Mitternacht, manche Gruppen verlegten ihn
aber auf den nächsten Tag, um ausgeruht an diese Aufgabe zu gehen.
Zusammenfassend sei also gesagt, daß man bei der Beurteilung von Beataufnahmen,
die wir gemacht haben, diese Bedingungen einfließen lassen soll.
Und wenn man einigen Autoren glauben darf, haben wir vielleicht sogar
etwas für die Nachwelt geschaffen. Und schon aus dem Grunde kann sich
alles ja gelohnt haben.
Die 60er Jahre
Über die Technik
Die Suche nach Bandmaschinen mit höherem Rauschabstand ließ uns nie los.
Und die Hersteller der Tonköpfe waren auch nicht untätig. So kam ich in
Kontakt mit Fa. Teac/Tascam. Es gab einen mehrere Ordner füllenden Briefwechsel
um die Frage, ob man zwei Stereomaschinen übereinander bauen könnte, bei
der die Antriebswellen der Spulen durchgehend wären, und man zwei Spulen
verwenden würde. Denn meine angedachte Lösung wäre gewesen, über vier
Spuren auch vier Schallquellen herauszuspielen, also nicht mehr ein Stereo-Dreieck
herzustellen, sondern ein Quadrat, in deren Mitte man sich befindet. Denn
nachdem die Beatles den neuen Sound vorgegeben hatten ohne Hall, also
klanglich sehr dünn und schmal und ein bißchen klingend wie in einen Blecheimer
gespielt, und man sich anzupassen hatte, weil der Markt das verlangte,
reichte die Stereolösung nicht mehr aus. Es gab Bands, die größer klingen
wollten, dennoch aber Hall verschmähten. Der Gedanke der doppelten Maschinen
scheiterte aber schon in der Entstehung, weil die Bänder ja millimetergenau
immer wieder eingelegt werden mußten. Aber TEAC hatte dennoch eine Lösung
für mich. Alles blieb wie es war, nur die Tonköpfe wurden in vier Spuren
unterteilt. Eine solche Maschine bekam ich dann auch. Allerdings brachte
diese Lösung ein neues altes Problem mit, nämlich den Rauschabstand. Weil
das Schnürsenkelband jetzt nicht nur zwei Tonspuren und eine Trennspur
hatte, sondern vier Tonspuren mit drei Trennspuren, war der Rauschabstand
nicht hinzunehmen. Die Aufnahmen waren nicht verwendbar. Man versuchte
es zwar mit rauschärmerem Band, das auf diese Maschine eingemessen werden
mußte, aber die Lösung war nicht befriedigend. Doch wo immer es Probleme
gibt, waren auch Erfinder am Werk, die nach Lösungen suchten. RTW in Köln
hatte Rauschfilter im Angebot, damals pro Spur zu 2.000,- Mark, die in
der Lage waren das Rauschen völlig zu unterdrücken, nur: Diese Geräte
neigten dazu zu pumpen, wenn man nicht in der Lage war sie absolut präzise
einzustellen, auf die jeweiligen Erfordernisse genau. Aber bei Musik wechselten
die ja ständig. Die genaue Einstellung war so schwierig, daß ich nach
weiteren Lösungen suchte. Und so dauerte er auch gar nicht lange, da brachte
Telefunken Rauschfilter heraus, für jede Spur ein riesiges Gehäuse und
für viel Geld, aber er funktionierte, wenn man die Problematik kannte
und damit umgehen konnte. Mein Traum nach Quadrophonie war also Wirklichkeit,
ich nahm auf vier Kanälen auf, und bald kamen auch entsprechende Aufnahmen
auf den Markt. Die Musik kam von vier Spuren, die Lautsprecher waren an
allen vier Ecken eines Quadrates aufgestellt. Doch die Musikwelt der Käufer
hatte sich kürzlich erst auf Sterephonie eingerichtet. Nach so kurzer
Zeit wieder alles neu kaufen, das wollten nur einige Musikliebhaber, nicht
aber die Masse. Bis es aber soweit war, empfahl ich den Gruppen, die mit
dem Stereosound nicht zufrieden waren, Pseude-Quadrophonie herzustellen,
also zwei Stereogruppen aufzubauen. Diese Ersatzlösung war eine wesentliche
Verbesserung und stellte Räumlichkeit der Aufnahme her, aber sie setzte
sich eben auch nicht durch. Für den Normalverbraucher war alles das viel
zu umständlich und zu kostenintensiv. Denn parallel dazu wurde ja auch
an Kunstkopfstereophonie gearbeitet, die also nicht nur die Links/Rechts-Breite
der Aufnahme erzeugte, sondern auch die vertikale Höhe und Tiefe hörbar
machte, man konnte also das Flugzeug wie in der Natur hoch oben hören,
aber auch den Bach ganz unten in der Tiefe. Man war plötzlich inmitten
der Natur, allerdings nur über Kopfhörer.
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| CCA 5001
Monique & Les Trident |
| Stalactite / Rien
du tout |
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| Produzent: Hans Werner Kuntze |
| Aufgenommen im August 1965 |
| Veröffentlicht am 1. März 1966 |
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Wir hatten in den 60er Jahren einen Wohnwagen in Lehmbruch am Dümmer
stehen. Der Dümmer, das ist ein See in der Nähe von Diepholz, etwa fünfzig
Kilometer von unserem Heimatort Osnabrück entfernt. Dieser See ist flach,
man kann überall stehen, ein idealer Erholungsbereich.
Es war ein Sonntagmorgen im August 1965. Ich war mit einigen Seglerfreunden
in einer gemütlichen Strandbar beim Bier. Es war so laut, wie es in
Lokalen immer ist, wo Menschen eng zusammenhocken. Plötzlich wurde es
still, die Gespräche verstummten. Ich drehte mich um. Da stand ein bildhübsche
sehr junge Frau mit ein wenig fremdländischem Aussehen, zusammen mit
einer Freundin. Offenbar war ihnen die Aufmerksamkeit peinlich, denn
beide verließen kurz darauf den Raum wieder.
Am Tage herrrschte am Dümmer reges Treiben, denn es war ein Paradies
für Badende, aber auch für Segler. Abends allerdings war nicht viel
los. Es wurde da und dort vor den Wohnwagen, Zelten und Wochenendhäusen
gegrillt, getrunken und gesungen, aber weil der Dümmer eben ein Familienparadies
war, mußte es der Kinder wegen leise zugehen. Es gab zwar einige Säle,
in denen man hätte tanzen können, aber solche Veranstaltungen waren
die Ausnahme.
So versprach eine Abwechslung in der abendlichen Langeweile zu werden,
als wir an Bäumen und Pfählen handgeschriebene Plakate lasen, die auf
einen Tanzabend im Saale Arning hinwiesen. Eine französische Band namens
Les Tridents würde da spielen. Meine Frau Karla und ich folgten dieser
Idee. Die Band spielte gerade den Instrumentaltitel "Stalactite",
als wir eintraten, und die Heimorgel spielte dieses Mädchen von heute
früh.
Es war Monique, wie wir später erfuhren, denn die Eltern von ihr waren
auch da um kümmerten sich um die Gruppe. Als die Band dann "Stalactite"
noch einmal spielte und uns dieses Stück gefiel, hatten wir die Idee
davon eine Aufnahme zu riskieren. Wir sprachen Frau Battemberg, die
Mutter von Monique an und waren ein wenig erstaunt, denn sie sprach
deutsch ohne Akzent. Sie war Deutsche, der Vater war Franzose, und sie
lebten in der Nähe von Paris.
Monique hatte ein selbstbewußt-seriöses Auftreten wie eine junge Erwachsene,
war aber erst dreizehn Jahre alt. Der Eindruck änderte sich aber, sobald
sie nicht mehr in der Öffentlichkeit war. Da wurde sie plötzlich zu
einer verspielten jungen süßen Wildkatze. Monique war eigentlich das,
was man sich unter einer Französin vorstellte.
Der Gruppe war begeistert, als wir ihr offenbarten, zwei Aufnahmen für
eine Platte machen zu wollen. Und die Fragen waren schneller als gedacht
abgeklärt. Wir fragten den Wirt, ob wir an einem der nächsten Wochentage
in dem Saal aufnehmen dürften und erhielten die Erlaubnis. Die Anlage
der Band blieb gleich stehen, und ich holte meine Aufnahmeanlage aus
Osnabrück. Technisch gab es kein Problem, denn die Instrumentalaufnahmen
konnte ich in einem Zuge aufnehmen. Um möglichst klangtreu aufs Band
zu kommen plazierte ich die Mikrofone vor den Boxen. Die Gruppe mußte
also nichts weiter tun, als was sie immer machte, nämlich life einspielen.
Wir nahmen die Titel "Stalactite"
und "Rien du tout" auf und veröffentlichten
sie auf meinem dafür gegründeten neuen Label CCA unter der Nummer 5001.
Stalactite wird von Kritikern dem Stile der Ventures zugeschrieben,
und neben Monique an der Orgel spielt die Leadguitarre Jean-Marc Blanc,
der auch dieses Lied geschrieben hat. Die B-Seite Rien du tout ist ein
langsames Stück, das sehr von seinem Sound lebt und bei dem Monique
an der Orgel mehr die Teppichfunktion hat.
Der Gitarren-Sound soll dem des Shadows-Gitarristen Hank B. Marvin ähneln.
Die Aufnahme war im August 1965, der Erscheinungstermin ist der 1. März
1966 Die Auflage scheint so um 500 Stück gewesen zu sein Die 17cm-Singles
wurden in 18x36cm-Klapphüllen geliefert, die in Polyhüllen eingelegt
waren.
Es hat aber auch identisch gedruckte 18x18cm-Einleger gegeben, also
beidseitig bedruckt wie die Taschen, zum Zwecke der Werbung. In späteren
Fällen wurden solche Einleger auch als Ersatz für fehlende Taschen verwendet.
Die Auflage wurde bis auf wenige Exemplare im CCA-Archiv ausverkauft.
Auch auf Flohmärkten scheint keine Platte mehr zu haben zu sein.
Weil die Frage nach dem Kürzel CCA auftauchen könnte, hier die Erklärung.
CCA bedeutet Concert Corperation of Allemania. Dieser Begriff geht auf
eine Idee von Ludwig Vespermann zurück, der in jener Zeit Texte für
Leo Leandros schrieb, dem Vater von Vicky Leandros, und der auch für
mich Texte verfaßte.


http://www.the-loving-hearts.de/

Aus den Berichten der Petards
http://www.petards.de/petards_beginning.htm
http://www.petards.de/petards_studio.htm
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Die
zur Zeit meistgesammelte Platte der Millionen von Singles auf
dem Weltmarkt ist offenbar die CCA 5021, um die sich hartnäckige
Gerüchte halten. In erster Linie geht es dabei um die Behauptung,
es habe von Platten dieser 5021 sogenannte 'Raub-Pressungen' gegeben,
aber auch von einigen anderen CCA-Singles wurde das in den 66er
Jahre behauptet. Erstaunlich auch, dass man in den USA hinter
Schallplatten, die man bei Ebay versteigern will, das Kürzel
CCA stellt. Es hat ja fast den Anschein, als wolle man damit das
Auffindern verbessern.
Dass
man unserer Produktion zutraut, jemand habe diese enormen Kosten
auf sich genommen, um eine Single nachzupressen, macht uns natürlich
stolz, denn welche Single könnte das wohl von sich behaupten.
Rückschauend erinnern wir uns, dass man uns mehrere Unternehmen
genannt hatte, die CCA-Singles raubpreßten. Ermitteln konnten
wir das nicht, wir haben uns aber auch nicht sonderlich darum
bemüht, der Kostenaufwand wäre im Verhältnis zum
Ergebnis zu hoch gewesen. Ganz sicher kann man aber behaupten,
dass solche Raub-Pressungen zu erkennen wären, denn man hätte
von der Platte überspielen müssen, weil sich die Originalbänder
ja bei uns befinden. Die Knackgeräusche wären ganz sicher
aufgefallen.
Wir
lassen diese Behauptung einfach mal im Raume stehen, denn widerlegen
können wir sie ja nicht. Allerdings würden wir Fremdpressungen
erkennen, denn auch die Druckstöcke befinden sich ja bei
uns, und die Hüllen könnte niemand nachmachen. Einer
meiner erlernten Berufe ist ja der des Schriftsetzers, und als
der würde ich unterm Fadenzähler Moaree durchaus erkennen.
Die
Daten:
Am 4. Juli 1966 schlossen wir einen Vertrag mit den Petards.
Am 4. August 1966 machten wir die Aufnahmen der Single CCA 5021
in der Stadthalle Osnabrück.
Weil
zu der Zeit noch alles live aufgenommen wurde, mußte man
auf große Räumlichkeiten achten, um die Instrumente
über die Mischpultkanäle voneinander trennen zu können
und Nachhall des Raumes zu vermeiden. Die Halle entsprach etwa
der Größe des Studio B der Realfilm, wo wir unsere
Ariola-Aufnahmen machten. Auch die Polydor nahm in der Hamburger
Musikhalle auf, ich war bei der Aufnahme der B-Seite zu <Morgen>
von Ivo Robic dabei. Große Hallen eignen sich für Aufnahmen
ganz hervorragend.
Und auch die Technik, die im Petardsbuch als sehr einfach dargestellt
wurde, entsprach den technischen Notwendigkeiten. Denn es ging
bei der Einspielung darum, die Aufnahmen linear reinzuholen. Mit
größeren Anlagen konnte man einfacher hantieren, aber
besser wurden die Aufnahmen deswegen nicht. Wer es nicht glaubt,
hat ja die Möglichkeit des Vergleiches mit späteren
Aufnahmen der Gruppe.
Die
Mikrofone
Wir verwendeten als Mikrofone die Sennheiser MD 421, die weitgehend
auch im Realfilm-Studio verwendet wurden, und man höre und
staune, diese Mikrofone der 60er Jahre werden heute, nach etwa
50 Jahren, noch immer vom Fernsehen als Standardmikrofon verwendet.
Sie sind unverkennbar in der Stromlinienform. Wir verwendeten
also ein Mikrofon, das sich ein halbes Jahrhundert gegen neuere
Bauweisen behauptet hat und zum Standard in allen Studios zählte.
Die
Bandmaschinen
Wir verwendeten die Revox G 36 von Studer für die Aufnahmen.
Studer war damals einer der beiden Ausrüster für die
Rundfunkanstalten, die andere Firma war Telefunken. Die 38er Geschwindigkeit
war die Studionorm, sie ist es für Bandmaschinen auch heute
noch. Diese G 36 war linear, was bedeutete: Was man aufnahm, kam
so wie man es aufnahm auf das Band. Die Bearbeitung geschah während
der Aufnahme, was Hall anbetraf. Und das Studio-Bandmaterial von
Agfa war auf die Maschine eingemessen. Mit der G 36 machten Verlage
und Schallplattenfirmen sogar die Bandkopien für die Rundfunkanstalten,
denn nicht überall in den Kopierräumen hatte man die
M5 von Telefunken. Auch wir haben die Bänder an die Sender
verkauft, was beweist, dass sie technisch dem Standard entsprachen.
Die
Mixer
Diese Telefunken-Echomixer waren vom Studioausrüster Telefunken
gebaut worden. Sollte wirklich jemand glauben können, dass
diese Firma technisch unzulängliche Geräte auf den Markt
bringt, um sich damit zu blamieren? Ich konnte damit umgehen,
und die Singles gibt es ja noch heute im Original-Zustand. Qualität
ist nachprüfbar.
Das
Problem Stereo
Wenn man ein Panorama erstellen will für einen räumlichen
Klang, benötigt man für die Mitte Führungsstimmen
und an den Seiten die Stereopunkte. Bei vier Musikern ist das
ein großes Problem, denn der Baß gehört in die
Mitte, das Schlagzeug auch, selbst wenn es als Stereobreite aufgenommen
wird. Natürlich auch die Soligitarre, denn auch sie soll
aus beiden Boxen identisch zu hören sein. Und auch der Sologesang.
Was übrig bleibt, ist die Rhythmusgitarre. Wohin mit ihr
also? Nach links oder rechts? Egal, wohin man sie legt, die Aufnahme
würde immer seitenlastig. Also haben wir sowohl Playbacks
in Stereo als auch in Mono aufgenommen, um sicher zu gehen, dass
wir für die Gesangs-Synchronisation das gewünschte Playback
haben. Wir haben dann auch auf beide Versionen den Gesang aufgenommen,
um hernach zu entscheiden, was wir veröffentlichen wollen.
Wir haben uns für die Monoaufnahmen entschieden. Vier Musiker
können in dieser Besetzung wohl auf der Bühne spielen,
weil jedes Instrument eine eigene Box hat, für Schallplattenaufnahmen
ist eine solche Gruppe völlig ungeeignet.
Der
Wickel
Damit bezeichnet man die große Bandspule, für die G
36 waren das 730 Meter. Das Band lief also 38,1 cm pro Sekunde
durch die Maschine. Im Schnitt waren Titel etwas weniger als 3
Minuten lang, das war eine Norm, die mit den Musikboxen zu tun
hatte. In etwa 3 Sekunden lief das Band also etwas mehr als einen
Meter durch die Maschine, für ca.180 Sekunden brauchte man
also um 60 Meter.
Es waren auf der Spule also mehr als zehn Aufnahmen. Man zerschnitt
nicht so gern die großen Spulen, deswegen gab man manchmal
auch den ganzen Wickel in die Überspielfirma. Verwechslungen
waren dadurch also möglich. Das war uns bei der 5021 ja auch
passiert.
Denn
nachdem die Metronome Singles der 5021 verkaufen konnte, mußten
wir nachpressen. Die Erstauflage war ja lediglich für die
Band bestimmt und für die Bemusterung der Sender durch uns.
Diese Nachpressung machte aber Probleme, die auf Verwechslungen
durch den Wickel zurückzuführen waren. Es gab zwei Auflagen
Fehlpressungen, nämlich Stereopressungen, immer aber waren
es die Original-Aufnahmen vom 4. August 1966. Für Sammler
sind das Unikate, denn sie gingen nie in den Handel, nur wenige
Sammler haben einzelne Stücke davon, um einen Querschnitt
über die Anfänge der Petards zu haben, die ja ein interessantes
Dokument sind, denn später wurden u.W. solche Experimente
nicht mehr gemacht. Man sollte nämlich beachten: Die Aufnahmen
unterscheiden sich nicht nur durch die räumliche Anordnung
stereo oder mono, sondern auch durch die unterschiedlichen Gesangsaufnahmen.
Zu den Begriffen etwas:
Die Nachpressung damit bezeichnet
man die Folge-Auflage der Veröffentlichung einer Nummer,
die die betreffenden Schallplattenfirma veröffentlicht hat.
Nicht immer ist die aber von derselben Muttermatrize, und erst
recht nicht vom selben Sohn. Nach einer bestimmten Auflage wird
der Sohn ausgewechselt und ein neuer verwendet, der aber von der
Mutter hergestellt wird. Es kann aber durchaus auch vorkommen,
daß eine Muttermatrize beschädigt wird, was zur Folge
hat, daß eine neue Überspielung gemacht werden muß.
Auch wenn die neue Mutter vom Original-Band geschnitten wird,
so ist sie meßtechnisch sicher nie ganz identisch, was man
aber nicht hören kann.
Bei Raubpressung spricht man
von einer Schallplatte, die nicht vom Eigentümer der Rechte
hergestellt wurde und also auch nicht vom Originalband hergestellt
sein kann, weil das Band im Besitz der Schallplattenfirma ist.
Eine Raubpressung ist also immer von einer Schallplatte überspielt
worden, mit all den Fehlern, die eine gespielte Platte inzwischen
hat, wie Knacker, Kratzer, Staub. Aber auch Etiketten und Hüllen
sind nicht identisch, weil die Originale ja nicht verfügbar
sind und man kopieren oder neu setzen muß.
Wer mit Nachpressung also eine Raubpressung meint, verwechselt
den Sachverhalt. Die Firma mit den Eigentumsrechten preßt
eine weitere Auflage nach, der Dieb preßt eine Raubpressung.
So ist der Sachverhalt.
Es waren die Jahre des Umbruchs und der großen Freiheiten.
Wer wollte, der konnte, wie auch immer. Es strömten viele
Bands auf den Markt. Die großen Studios waren für Newcomer,
die noch keinen Marktanteil erobert hatten, unerschwinglich. Man
mußte also neue Wege erfinden. Kleine Studios entstanden
überall, in Hamburg sogar im Keller, und man kennt das damalige
Keller-Studio Maschen vom Menke-Verlag, wo wir die Aufnahmen der
Petards später gemastert haben.
Zu Zeiten, als ich Produzent der Ariola war, habe ich zumeist
im Real-Film-Studio aufgenommen, in dem auch die Hollywood-Filme
durch Tonmeister Werner Pohl synchronisiert wurden, der auch unsere
Aufnahmen fuhr. Solange man einen Vertrieb wie Bertelsmann hinter
sich hatte, also den Buchclub und die Bertelsmann-Tochter Ariola
mit dem eigenen großen Vertriebsapparat, deckten sich die
Kosten in einigen Fällen noch, zumal auch einige Hits dabei
heraussprangen. Für unsere dann gegründeten eigenen
Label hingegen hatten wir zunächst keinen Vertriebsapparat,
der Absatz über den Handel war also bei Null. Teilweise kostendeckend
war nur, wenn die jeweilige Gruppe Platten selbst bei Veranstaltungen
verkauften und wir mit einer eigenen Studio-Anlage aufnahmen,
somit also nur geringe Aufnahmekosten hatten. Es gab also nur
die Alternative: Entweder so, oder gar nicht.
Wir verlegten unseren Aufnahmestandort dann in die Stadthalle
Osnabrück. Große Hallen, das war durchaus normal. Auch
Bert Kempfert nahm für Polydor damals ja in der Hamburger
Musikhalle auf. Und Ronny, Wolfgang Rohloff, betrieb damals ein
Studio in einem Tanzlokal ohne Sichtkontakt zum Akteur. Man sollte
es allen sagen, die heute so hochnäsig und unwissend die
Nase rümpfen über die Anlagen und Räume, die wir
verwendeten: Die vielen Aufnahmen der sogannten 60er Jahre der
Musikgeschichte hätte es ohne diesen Schritt nie gegeben.
Der Aufnahmeraum war aber auch gar kein Problem, wenn er groß
genug war. Denn dann kamen keine störenden Reflektionen zurück.
Und auch die Maschinen waren nicht das Problem. Die Aufnahmegeschwindigkeit
war längst von 76 auf 38 cm/sek runtergesetzt. Das war inzwischen
die Norm. Ich habe noch eine Vollmer-Aufnahmemaschine mit 76er
Geschwindigkeit. Die Maschinen hatten inzwischen zwei Spuren und
ermöglichten Stereoaufnahmen. Der Arbeitsweg in allen Studios
war derselbe. Mit der A-Maschine wurde die erste Einspielung aufgenommen.
Dann spielte man über den Kontroll-Lautsprecher diese Aufnahme
raus, nahm dazu also das Zuspiel auf und mischte die Aufnahme
der A-Maschine zu. Mehrspurmaschinen gab es noch nicht.
Im Falle der Petards wurde das Playback in einem Aufnahmeablauf
auf Maschine A aufgenommen, die Band spielte also jedesmal das
Playback ganz durch, dann spielte ich dieses Playback von dieser
A-Maschine wieder ab und nahm auf Maschine B den Gesang auf, den
ich auch sofort mischte und mit Hall versah. Nacharbeiten war
damals mit diesen Mitteln nicht möglich, es mußte sofort
alles stimmen. Effekte erzeugte man an den Verstärkern und
Instrumenten während der Aufnahme. Wenn man heutzutage manchmal
hört, daß Produzenten an einem Titel eine Woche oder
gar einen Monat gewerkelt haben und wir mit derselben technischen
Anlage soetwas an einem Tag bewerkstelligen in derselben Qualität,
kommen wirklich einige Fragen. Die G 36 von Revox, die ich verwendete,
waren linear wie andere Maschinen auch, es gab also keine Klangveränderung
durch die Maschine selbst. Die Maschine war aber gegenüber
den gängigen Studiomaschinen M5 und M10 von Telefunken viel
billiger zu haben. Telefunken hatte das Problem schnell erkannt
und die Billigmaschine M24 wieder vom Markt genommen, weil auch
die großen Schallplattenfirmen für Rundfunküberspielungen
oft nicht mehr die M5 verwendeten. Als Mikrofone verwendete ich
die MD 421 von Sennheiser, die überall in den großen
Studios für bestimmte Zwecke ebenfalls eingesetzt wurden
und sogar jetzt, nach 50 Jahren, noch immer bei vielen Aufnahmen
im Einsatz sind. Die Bandmaschinen-Technik hat sich dann später
lediglich durch die Schmetterlingsköpfe verbessert, wodurch
der Rauschabstand etwas verringert wurde. Unsere Probleme waren
also nicht der Raum und die Maschinen, sondern das Mischpult und
die Effekte, der Hall ganz besonders, und der Rauchabstand, der
uns lange Jahre Kopfschmerzen verursachte.
In der Regel nahm ich mit den Bands mehrere Playbackversionen
auf, um hinterher entscheiden zu können, welches davon weiter
verwendet werden sollte. Auf die ausgewählte Version wurde
dann wieder und wieder gesungen, bis man eine kleine Auswahl stehen
ließ. Im Falle der Petards wichen wir von dieser Norm ab.
Die Petards waren sehr genau in allem, was sie taten. Wir versuchten
also dieses und jenes, nahmen immer noch mal auf. Im Vordergrund
stand das Problem der Stereofonie, wodurch der Sound ja wesentlich
beeinflußt wurde. Es sollte klingen wie auf der Bühne,
obschon alles auf nur zwei Spuren lag, also nicht aus vier Schallquellen
wie auf der Bühne kam. Weil Baß, Drums und Sologitarre
normalerweise aus der Mitte kommen sollen, fehlten Instrumente,
die man links und rechts für Stereo positionieren konnte.
Die Rhythmusgitarre allein auf einer Seite würde die Aufnahme
also seitenlastig machen. Quadrophonie wäre die Lösung
gewesen. An der werkelte ich zwar schon, aber eine Lösung
hatten wir mangels entsprechender Maschinen nicht.
So kam es also, daß wir mehrere Playbacks machten. Eines,
das mehr mittig war, was gehörsmäßig bedeutet,
daß die Instrumente mehr in der Mitte waren und somit aus
beiden Boxen ähnlich zu hören waren, wodurch aber der
breite Stereo-Eindruck verloren ging. Weil sich die Instrumente
dadurch also nicht so gut trennten, haben wir andere Positionierungen
zusätzlich aufgenommen, bei denen das Schlagzeug auf der
linken und die Sologitarre auf der rechten Spur lag, was eigentlich
ganz unüblich war Und auch der Baß wurde etwas aus
der Mitte herausgenommen. Es wurden etliche Versionen versucht
und auch mit Gesang belegt. Es sind also nicht nur unterschiedliche
Einstellungen, sondern auch unterschiedliche Aufspielungen nacheinander
auf dem Band, denn jedesmal wurde ja neu eingespielt. Danach haben
wir dann zunächst die mehr mittige Aufnahme aufgesungen,
danach aber auch die breiter angelegten. Es sind unterschiedliche
Gesangaufnahmen, die nacheinander aufgenommen wurde. Jede Version
ist also eine völlig neue Live-Aufnahme.
Und damit beginnen nun die Probleme der Sammler.
Für die Startauflage wählten wir die Version A aus,
das war die Aufnahme, bei der alles mehr auf Mitte liegt. Das
ist die CCA 5021. Diese Platte hat ein gelbes Etikett und eine
eingestanzte Nummer. Wir haben davon nur noch ein einziges Exemplar
im Archiv. Die erste Auflage betrug etwa 550 Stück, von denen
die Petards 500 Stück abkauften. Als Metronome, eine der
damaligen Majorfirmen, den Vertrieb unserer Singles übernahm
und eine Bestellung einging, hatten wir ein Problem. Wir mußten
schnell eine 2. Auflage pressen lassen. Metronome wünschte
die Hausfarbe als Etikett, also schwarz. Doch als dann gepreßt
werden sollte, waren die Preßmatrizen nicht mehr verfügbar,
irgendein Defekt. Man mußte Matrizen noch sorgsamer behandeln
als ein rohes Ei. Zu allem Überfluß hatte die Schneidefirma
keine Zeit, sofort einen neuen Schnitt anzufertigen. Also gaben
wir den ganzen 38er Wickel zu einer anderen Firma, und natürlich
auch eine gepreßte Platte zur Sicherheit, denn auf dem Wickel
lagen alle Versionen hintereinander. So kam es, daß irrtümlich
eine der breiter angelegten Versionen überspielt wurde, die
aber nicht identisch war mit der Startpressung. Diese Version
trägt auch die Nummer CCA 5021, aber mit einer eingeritzten
Nummer, und sie ist also eine andere Version, nennen wir sie also
die CCA 5021/I . Sie hat schwarze Etiketten. Wegen der Eile hatten
wir das Abhörmuster gar nicht erst abgewartet, sondern sofort
pressen lassen. Wir ließen noch einmal neu überspielen.
Diese nächste Überspielung trägt die eingeritzte
Nummer 5021/II, auch mit dem von Metronome verlangten schwarzen
Hausetikett. Als wir dann die Platte abspielten, war der Schreck
natürlich groß, denn man hatte wieder eine falsche
Version, wieder eine breit angelegte Version überspielt.
Die Stereo-Einstellung ist ähnlich der 5021/I, ist aber nicht
dieselbe Aufnahme. Nach zwei Pannen machten wir uns dann auf den
Weg. Wir prüften das Band bei der Presserei selbst und glauben
die A-Version wieder herausgesucht zu haben, haben überspielen
und pressen lassen. Diese Überspielung ist die 5021/III mit
der eingeritzten Nummer, und es gibt diese Version mit den gelben
und violetten Etiketten. Die CCA 5021 und die CCA 5021/III sind
also identische Aufnahmen, soweit wir das bisher überprüft
haben, aber unterschiedliche Schnitte.
Unterschiedliche
Schnitte bedeutet, dass die Muttermatrize neu überspielt
wurde. Auch wenn es sich um dieselbe Aufnahme des Bandes handelt,
sind die Einlauf- und Auslaufrillen anders, auch die Breite der
Spuren liegt anders, denn jeder Schnitt wird individuell hergestellt
mit handwerklicher Arbeit. Identisch an der ganzen Sache ist dann
nur die Aufnahme.
Und
was jetzt kommt, ist ganz wichtig:
Es ging bei der Herstellung dieser neuen Überspielung um
nichts sonst als darum, dass eine identische Tonaufnahme hergestellt
wurde und in den Handel gelangte. Um nichts sonst!
Denn der Käufer wollte diese Originalaufnahme haben, tonal
nicht optisch. Und die haben wir geliefert. Das optische Aussehen
der Platte? Wer das damals angeschnitten hätte, wäre
für irre gehalten worden.
Sammler späterer Jahrzehnte?? - Die sollen zuhören,
was wir sagen, was wir gemacht haben, um die Zeit zu verstehen.
Es genügt nicht, dass man sich Platten anhört und nach
seinen geringen Kenntnissen der damaligen Zeit Vorgänge beurteilt,
denn was heute rüberkommt, ist wieder nur die Show von Studio-B
aus Bremen, aber das war nicht die Basis. Das war die Showbühne,
wie das Fernsehen sie wollte. Die Wirklichkeit was gar anders.
der Was glauben Sammler eigentlich, was uns damals interessierte.
Doch nicht Kinder, die noch gar nicht geboren waren. Doch nicht
ein halbes Jahrhundert danach. Wer denkt heute denn darüber
nach, was in fünfzig Jahren ist?!
Es war ein neuer Sound, und wir mußten lernen den zu verstehen,
den einzuordnen und in eine Form zu bringen. Das war technisch
schwer genug, weil es keine Fünfer-Bands gab. Der Fünfte,
der Effekt-Gitarrist, der war über, der kostete nur Geld.
Probleme über Probleme, und dann dieser Sound der Beatler
aus dem Blecheimer. Alle wollten so klingen. Bloß kein Hall.
Nichts war mehr so wie bei Aufnahmen, die wir mit den Musikprofis
der Sender machten.
Wir produzierten für den Augenblick, für wenige Monate,
denn die Aufnahmen hatten nur eine Laufzeit von vier Monaten.
Das war die Norm aller Hits. Wir
dachten an die Wochen nach der Veröffentlichung, wie wir
vermarkteten, wie wir eine Auufnahme in die Sender bekamen. Fünfzig
Jahre später?
Weil hinsichtlich dieser Platte also offenbar Verwirrung herrscht,
hier noch einmal der Hinweis: Wir haben vier mal pressen lassen.
Und es handelt sich um unterschiedliche Aufnahmen des selben Tages.
Alle Aufnahmen wurden am 4. August 1966 gemacht. Ein echter Petards-Fan
möchte natürlich alle Versionen haben, aber damit können
wir nicht mehr dienen. Die Startpressung bleibt wohl ein unerfüllbarer
Wunsch.
Die Zeit liegt schon so weit zurück, daß Erinnerungen
eigentlich immer nur zurückkommen durch Dokumente aus dieser
Zeit. Wir konnten ja nicht wissen, daß die Nachwelt Interesse
daran zeigen würde. Jetzt müssen wir mühsam zusammensuchen,
was uns noch geblieben ist.
Im Hörfunk und Fernsehen wurde die Start-Version verwendet.
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Peter Killian (org)
Eckart Keller (dr/voc)
Detlef Eckelt (git)
Dirk Crecelius (git/voc)
Hans Georg Killian (b) |
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:: Nachwuchsband für Schallplattenaufnahme gesucht ::
- lautete 1972 ein Inserat im "Musikexpress".
Dirk Crecelius (g/voc) Detlef Eckelt (g) Eckart Keller (dr) Hans-Georg Killian (b)
und Peter Killian (org), gerade 17-jährig, hatten ein Jahr zuvor (1971),
inspiriert durch Acts wie Black Sabbath und Uriah Heep,
ihre eigene Band FIFTH DEAD gegründet.
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Dirk schrieb immerhin schon eigene Songs und so bewarb man sich auf dieses Inserat. Trotz Panne auf der Autobahn, landeten die Jungs überglücklich in Osnabrück direkt in die Arme von Hans Werner Kuntze, seines Zeichens Produzent mit eigenem Platten-Label (CCA).
Bereits die Petards aus Schrecksbach, die Scorpions aus Hannover und die Silhouettes aus Neuwied hatten bei H.W. Kuntze ihre ersten Ton- bzw. Plattenaufnahmen unter Dach und Fach gebracht.
"A Special Man" erschien auf dem CCA Sublabel Help. Unglücklicherweise befand sich auf der anderen Seite der Scheibe der Schlager eines DJ`s aus Wuppertal namens *Anthony*.
Man verpflichtete sich 75 Exemplare von Kuntze zu übernehmen und bot sie bei Live-Gigs zum Verkauf an.
1974 deutete sich ein erster Wechsel an. Holger Specht übernahm die Leadgitarre. Somit konnte sich Dirk ganz auf den Gesang und die 12-saitige Gitarre konzentrieren.
Hans Fries ersetzte Eckart Keller an den Drums. Wolfgang Kinder (sax) kam als weitere Verstärkung dazu.
Ditmar Mittler kam als weiterer Gitarrist und somit als 7. Mann 1976 zur Band. Peter Kilian wechselte von den Tasten zum Mischpult. Gemeinsam mit einer eigenen Lightshow wurde die Bühnenpräsenz immer professioneller und die Band entwickelte sich zu einer der gefragtesten Live-Bands der Szene. 1982 stieg Georg Killian am Bass aus und wurde durch Herbert Simon ersetzt.
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1975 ging's wieder zu Kuntze nach Osnabrück und man spielte 6 weitere Songs ein. Blue Sky / Devilking wurde 1976 auf dem heute legendären CCA Label (5074) veröffentlicht.
Die übrigen Songs: Long Way (Crecelius) / Bumble Bee (Crecelius) / What Can We Do (Crecelius) + Angel And God (Crecelius /Specht) erschienen 1997 auf dem CD Sampler: "Psychedelic Gems 2".
Häufig spielten Fifth Dead in Amy Clubs
in Spangdahlem und Kaiserslautern.
"Da ging immer die Post ab".
Gig in Kaiserslautern
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Holger Specht (Leadgitarre)
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Eckart Keller (drums) + Hans-Georg Killian (bass)
1978 gab`s einen TV-Clip in der Sendung: Glaskasten des Südwestfunks.
"Speed in your mind" ein Anti-Drogen Song
geschrieben von Wofgang Kinder (sax) / Text : Dirk Crecelius.

Hans Fries (dr) Dirk Crecelius (voc) Wolfgang Kinder (sax) Holger Specht (lead-git)
Hans Georg Killian (bass) und Ditmar Mittler (git) Detlef Eckelt (git)
1976 als Support für die Scorpions in der Rhein Mosel Halle
1976 hatten Schenker und Co. bei weitem noch nicht den ersehnten Bekanntheitsgrad.
Der Vorverkauf lief schlecht und der Veranstalter war froh Fifth Dead,
die in Koblenz und Umgebung bereits über eine große Fangemeinde verfügten,
verpflichten zu können.
Darüber hinaus entstand über den gemeinsamen Auftritt
eine langjährige Freundschaft zwischen den einzelnen Mitgliedern.
Man besuchte sich über Jahre hinaus bei Auftritten
oder im Studio bei Dieter Dierks in Stommeln bei Köln.

Dirk Crecelius (vocals)
Fifth Dead - live on stage
Zum 50. Geburtstag von Dirk Crecelius kamen alle Fifth Dead Mitglieder zusammen
und ließen`s noch mal richtig krachen.
v.l.n.r. Detlef Eckelt (g), Wolfgang Kinder (sax), Hans Fries (dr),
Herbert Simon (b), Dirk Crecelius (voc), Peter Killian (key), Ditmar Mittler (g/ voc.)
und Jürgen Opgenoorth (lead-g.).
http://www.krautrockseite.de/kblnzbands-fif.htm
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THE SILHOUETTES
Klaus Berger (voc/git) Fred Hannig(voc/git)
Rolf Störing (voc/bass) Hans Grün (dr)
Anfang der 60er in Neuwied gegründet.
Sie spielten so ziemlich alles aus den damaligen Charts
- und beeindruckend nah an den Originalen.
HERE I GO AGAIN (Shumann/Westlake/Kuntze)
KÜSST DU MICH NICHT HEUTE NACHT (Why Not Tonight)
(James/O’Toole/Kuntze)
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Ein Bericht von D. von Plettenberg
http://www.dvplettenberg.de/Frueher.htm
Auf dieser Homepage kann man einiges über die Gruppe lesen
httphttp://ww.krautrockseite.de/kblnzbands-fif.htm
Auf dieser Homepage steht noch mehr über die 60er und 70er Jahre
http://www.krautrockseite.de
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